Montag, 27. April 2009

Roland Seim/Josef Spiegel (Hrsg.) - „Nur für Erwachsene – Rock- und Popmusik: zensiert, diskutiert, unterschlagen“

(Telos, 248 S., Pb.)
Die Geschichte der Zensur in der Rock- und Popmusik ist so alt wie die Geschichte der Rock- und Popmusik selbst. Schließlich entstand der Rock’n’Roll in den Fünfzigern mit dem Beginn der Jugendbewegungen, denen die Ablehnung des gesellschaftlichen Status quo, die Provokation und Rebellion in jeder Hinsicht von Anfang an auf den Fahnen geschrieben stand.
Klar, dass die elterlichen Hüter über Gesetz und Moral von Beginn an mit allen Mitteln nicht nur Frisuren, Tanzstile und Kleidung der jugendlichen Rebellen zu diskreditieren versuchten, sondern auch die Musik und ihre Darstellungsformen. Darum geht es in dem zur gleichnamigen Ausstellung veröffentlichten Buch/Katalog „Nur für Erwachsene – Rock und Popmusik: zensiert, diskutiert, unterschlagen“. Die darin verbreitete These, dass in der Zeit von 1955 bis heute ein kontinuierlicher Wertewandel stattgefunden hat, der sich gerade in der Rock- und Popmusik nachweisen lässt, wenn auch nicht in der linearen Form, wie die zunehmende Liberalisierung verlaufen ist, wird mit Essays, einem großen Bildteil und einem ausführlichen Glossar zu dokumentieren versucht. Die einführenden Aufsätze auf den ersten fünfzig Seiten machen am Beispiel von Elvis Presley den Beginn der Zensurbemühungen der Obrigkeit deutlich und setzen sich mit exemplarischen Beispielen aus dem Heavy Metal, aus der Rockmusik mit faschistischen Symbolen und Gedanken, Tanzverboten in Amerika in Bezug auf die Technoszene und explizit den deutschen Befindlichkeiten auseinander, ehe der Abbildungsteil – oftmals in der Gegenüberstellung vom Originalentwurf und zensiertem Cover – auf zensorische Maßnahmen hinsichtlich Sex, Frauenfeindlichkeit, Verletzung von Moral, Sitte und Anstand, Gewaltdarstellung und –verherrlichung sowie Political Incorrectness konkretes Anschauungsmaterial liefert. Dabei wird tatsächlich deutlich, wie eng die Zensurmotivationen vom jeweiligen Zeitgeist, Tagesgeschehen und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit abhängt. Der lexikalische Teil informiert abschließend über die „Verfehlungen“ verschiedener Acts wie u.a. auch The Cure, natürlich Marilyn Manson und Rammstein und die „üblichen Verdächtigen“ wie Rolling Stones, George Michael, Madonna, Kiss und Nina Hagen.

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