Mittwoch, 23. Dezember 2009

Julia Navarro - „Die Bibel-Verschwörung“

(Limes, 637 S., HC)
Als die internationale Presse von einem archäologischen Kongress in Rom berichtet, sind die vier alten Freunde, der italienische Doktor Carlo Cipriani, die spanische Bauunternehmerin Mercedes Barreda, der deutsche Professor Hans Hausser und der Wiener Pianist Bruno Müller, wie elektrisiert, als sie unter den Teilnehmern den Namen Tannenberg entdecken. Seit sechzig Jahren haben sie nämlich nach Alfred Tannenberg gesucht und sich damals geschworen, den Mann, der so viel Leid über sie gebracht hatte, für seine Sünden mit dem Leben bezahlen zu lassen. Sie lassen die junge Archäologin Clara Tannenberg beschatten und finden heraus, dass es sich um die Enkelin des verhassten Mannes handelt, der offensichtlich im Irak lebt.
Dort sucht Clara zusammen mit Professor Yves Picot nach der so genannten Tonbibel – Tontafeln, auf denen ein Schreiber namens Shamas von Erzvater Abraham die Geschichte über die Entstehung der Welt festgehalten haben soll. Während Tannenbergs rachsüchtige Feinde einen Killer auf die Spur des sterbenskranken Mann ansetzen, sind andere Parteien damit beschäftigt, die Tonbibel an sich zu bringen. Doch die Zeit läuft ab. In einem Monat hat der amerikanische Präsident nämlich seinen Einmarsch in den Irak geplant … Der spanischen Autorin Julia Navarro ist bereits mit ihrem Erstling „Die stumme Bruderschaft“ ein außergewöhnlicher Erfolg gelungen, mit dem sie zunächst Dan Brown von der spanischen Bestsellerliste verdrängte, dann auch international abräumen konnte. Ihr neues Werk ist ein spannender Archäologie-Thriller vor dem Hintergrund des bevorstehenden Irak-Krieges.

Julia Navarro - „Die stumme Bruderschaft“

(Limes, 450 S., HC)
Dass die Erfolge von Bestseller-Autor Dan Brown mit seinen Vatikan-Thrillern „Illuminati“ und „Das Sakrileg“ bald auf Nachahmer stoßen würden, war abzusehen. So wird das Debüt der spanischen Autorin Julia Navarro auch mit der Tatsache beworben, dass es Dan Brown von Platz 1 der spanischen Bestseller-Liste verdrängt habe. Ähnlich wie ihr amerikanischer Kollege verknüpft sie minutiös recherchierte Fakten mit eigenen Spekulationen zu einem spannenden Thriller.
Als der Turiner Dom, der das Leichentuch Christi beherbergt, mal wieder in Flammen steht, vermutet Kommissar Marco Valoni und seine Kollegen vom Dezernat für Kunstdelikte, dass es ein Geheimbund auf das Grabtuch abgesehen hat. Denn den Flammen fiel ein junger Mann mit herausgeschnittener Zunge zum Opfer. Er weist damit die gleichen Merkmale auf wie schon die Christen von Edessa, wo das Grabtuch nach der Kreuzigung Christi zunächst aufbewahrt und von dort unter größter Geheimhaltung in Sicherheit gebracht wurde. Während Valonis attraktive Kollegin Sofia Galloni im Umkreis des Bauunternehmens Umberto D’Alaqua nach Verdächtigen fahndet, die mit den Renovierungsarbeiten des Doms beschäftigt waren, geht die Journalistin Ana Jiménez Spuren in der Vergangenheit nach. Ihr Verdacht, dass das Grabtuch im Besitz der Templer sei, lässt sich allerdings nur schwer beweisen. Zwei befeindete Geheimbünde schrecken auch vor Mord nicht zurück, um das Geheimnis des Grabtuchs zu bewahren... Packender Geheimbund-Thriller, der geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt und dabei spannende historische Fakten mit modernen Krimi-Elementen vermischt.

Justine Wilson - „Blood Angel“

(Knaur, 414 S., Pb.)
Auch wenn das Cover zu Justine Wilsons „Blood Angel“ vielleicht bewusst an das Artwork der erfolgreichen Geheimbund-Verschwörungs-Thriller-Bestseller von Dan Brown angelegt worden ist, hat der Roman absolut nichts mit den so spannend von Brown kreierten Geschichten zu tun. Stattdessen versucht sie den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse als apokalyptische Schlacht zwischen Dämonen und Engeln auf dem Erdenreich zu schildern.
Da ist auf der einen Seite die Dämonin Asha Bakal, die den erfolgreichen, aber desillusionierten Rock-Musiker Lucas Maddox für sich gewinnen konnte, um mit der mysteriösen Band Trans die Jugendlichen anzuziehen, die ihr auch in jeder Hinsicht bald zu Füßen liegen. Auch Ramsey Doe wird durch einen Hinweis seines Internet-Chat-Freundes Lizardking schnell in ihren Bann gezogen und macht sich auf den Weg in die Wüste, wo das ultimative Konzert stattfinden soll. Auf der anderen Seite versucht Ashas Bruder Kai, ehemaliger Anführer der „guten“ Bruderschaft, mit der Künstlerin Jessamy Shepard sich der wachsenden Macht der Dämonen entgegenzustellen … Leider gelingt es der Autorin nie, dem altbekannten Thema neue Fassetten abzugewinnen. Stattdessen bleiben die Ambitionen der Protagonisten eher undurchsichtig, die Dialoge ersticken in nichts sagenden Plattitüden, die Handlung wirkt dazu wirr und lässt zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkommen. So bleibt das Cover leider das einzig Interessante an dem Buch.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Frances Fyfield - „Rabenbrut“

(Hoffmann und Campe, 319 S., HC)
Richard Beaumont, pensionierter Immobilienmakler, genießt seine Freizeit am liebsten mit zwei Dingen, dem Beobachten von Vögeln und dem Malen. Häufig verschlägt es ihn an die steilen Klippen an der Küste von Dover, wo er beiden Leidenschaften gleichzeitig frönen kann. Eines Tages rauscht der Körper einer Frau von weiter oben an ihm vorbei in die Tiefe und schlug fast unbekleidet im Geröll an der See auf. Fasziniert von seinem neuen „Modell“, nimmt Beaumont Zeichnblock und Stift zur Hand und beginnt die Leiche zu zeichnen. Als er bei seinem Tun ertappt wird, kann sich Beaumont an nichts erinnern, wird aber schnell von jedem Verdacht freigesprochen. Zuhause in London verewigt der Maler seine Skizze in Öl, doch wenig später wird das Bild von Steven, dem Bruder der Beaumont-Nachbarin Sarah Fortune, entwendet, die wiederum eigene Nachforschungen über die Herkunft der unbekannten Toten anstellt.
Je näher sie der Wahrheit kommt, umso verwickelter werden die persönlichen Beziehungen zwischen Beaumonts hübscher Ehefrau Lilian und Sarahs Bruder sowie Sarah, ihrem Geliebten Richard Beaumont und dessen neuen Freund, den Gerichtsmediziner John Armstrong … Ungewöhnlicher Krimi mit vielen psychologischen Raffinessen.

Freitag, 18. Dezember 2009

Kenneth J. Harvey - „Die Stadt, die das Atmen vergaß“

(Blessing, 576 S., HC)
Nach der Trennung von seiner Frau Kim verbringt Joseph Blackwood mit seiner Tochter Robin drei Wochen Ferien im pittoresken Fischerdörfchen Bareneed. Doch die Idylle trügt, denn seltsame Dinge geschehen in dem Ort, dessen Bewohner einst vom Kabeljaufischen gelebt haben, aber nach dem Fischfangverbot nun ein spürbar tristes Dasein fristen. Ehemalige Fischer werden von plötzlichen Atembeschwerden erfasst und sterben ohne sichtliche organische Ursachen. Im Meer tauchen nicht nur mysteriöse Wesen wie ein roter Seeskorpion und ein Albinohai auf, sondern auch Jahrzehnte alte Leichen.
Während das Militär bereits eine Seuchengefahr wittert und Bareneed absperrt, erfahren die Einwohner die Veränderungen am eigenen Leib. Josephs Onkel Doug sieht plötzlich eine Meerjungfrau im Wasser, Robin entdeckt im Haus der Nachbarin Claudia deren seit anderthalb Jahren vermisste Tochter Jessica, die Robin in das Reich der Toten verführen will, und Joseph verspürt seltsam aggressive sexuelle Neigungen seiner Frau und der attraktiven Claudia gegenüber … Spannend und virtuos geschrieben, entwickelt der Roman von Beginn an eine unheimliche Atmosphäre und steuert geradewegs auf ein bedrohliches Finale zu.

Liza Marklund - „Prime Time“

(Hoffmann und Campe, 416 S.)
Während Marklunds männliche Kollegen Hakan Nesser und Henning Mankell ihre Kommissare Van Veeteren und Wallander im Kampf gegen das Verbrechen in Schweden ins Rennen schicken, hat Marklund mit der Journalistin Annika Bengtzon längst ihre eigene Heldin geschaffen. In ihrem vierten Abenteuer hat Bengtzon nicht nur um ihre Beziehung mit Thomas zu kämpfen, nachdem sie kurzfristig ihren geplanten Familienurlaub absagen musste, sondern auch einen heiklen Auftrag zu erledigen.
Nach Abschluss der Dreharbeiten zur TV-Serie „Das Sommerschloss“ auf Schloss Yxtaholm wurde nämlich die prominente Moderatorin Michelle Carlsson im Ü-Wagen erschossen aufgefunden. Durch ihre Freundin Anne Snapphane, die bei TV-Plus arbeitet, gelangt Annika ans Set und kann einige der dreizehn bei der Produktion anwesenden Verdächtigen interviewen. Sie bekommt schnell heraus, dass fast jeder von ihnen ein triftiges Motiv für einen Mord an dem Fernsehstar hatte, auch ihre Freundin Anne, die scharf auf den Job der Ermordeten gewesen ist, oder Michelles Manager Sebastian Follin, der kurz zuvor von Michelle gefeuert worden war. Nach einigen Recherchen stößt Annika auf ein Band, das zufällig noch während der Mordnacht im Ü-Wagen mitlief und Aufschluss über den Mord geben könnte. Liza Marklund, die vor ihrer Karriere als Schriftstellerin selbst als Journalistin gearbeitet hatte, liefert mit ihrem vierten Bengtzon-Roman einen interessanten Einblick in die schwedische Medienwelt, einen spannenden Krimi und eine vielschichtige Hauptfigur.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Michael Ridpath - „Fatal Error“

(Hoffmann und Campe, 448 S., HC)
Im Jahre 1999 gründen der ehemalige Wirtschaftsprüfer David und sein charismatischer Freund Guy Jourdan ein erfolgversprechendes Start-up-Unternehmen. Doch ihrer Fußball-Website ninetyminutes.com gehen nach fünf Monaten die finanziellen Reserven aus. Einzig Guys vermögender Vater Tony, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist, kann die Firma noch retten, indem er die Zustimmung für einen Deal mit einer Risikokapitalfirma gibt, was allerdings seinen Aktienanteil erheblich schmälern würde.
Tony lässt seinen Sohn allerdings im Regen stehen. Wenige Stunden später wird Tony auf der Straße tödlich von einem Auto erfasst. In Rückblenden wird deutlich, dass es ungewöhnliche Todesfälle im Jourdan-Clan schon früher gegeben hatte. David erinnert sich dabei vor allem an einen Ferienaufenthalt an der Côte d’Azur im Jahre 1987, als Tony seinem Sohn die Freundin ausspannte und Tonys Frau Dominique sich rächte, indem sie David verführte. Dieser Machtkampf zwischen Vater und Sohn, aber auch die problematische Freundschaft zwischen Guy und David hinterließ seine Spuren bis in die Gegenwart hinein... Spannender Thriller, der erst in den Rückblenden offenbart, auf welchem Pulverfass sich Tony, Guy und David seit dem Sommer von 1987 befunden haben.

Matthew Pearl - „Der Dante Club“

(Hoffmann und Campe, 480 S., HC)
Ein grausamer Mord erschüttert Boston im Jahr 1865. Der ehrenwerte Oberrichter Artemus Prescott Healey wird von seiner Haushälterin nackt und von Maden, Würmern und Fliegen angefressen im Garten aufgefunden, wobei er während des vier Tage andauernden Todeskampfes miterleben musste, wie ihn die exotischen Insekten von innen her auffraßen. Wenig später findet man den antikatholischen unitaristischen Reverend Elisha Talbot ähnlich bizarr ermordet vor: Kopfüber in einem Loch des Kellerdurchgangs seiner Kirche aufgeknüpft, wurden seine Füße in Brand gesteckt, bis der Geistliche einem Herzinfarkt erlag.
Während die Polizei bei ihren Ermittlungen weitgehend im Dunkeln tappt, ahnt nur ein elitärer Zirkel um den Dichter Henry Wadworth Longfellow die Hintergründe der Verbrechen. Zusammen mit dem Verleger J.T. Fields, dem Dichter James Russell Lowell und dem Arzt und Autor Dr. Oliver Wendell Holmes gehört er zum Dante Club, der sich zum Ziel gesetzt hat, Dantes „Göttliche Komödie“ dem amerikanischen Publikum zugänglich zu machen. Nur der Dante Club erkennt, dass die Morde auf Dantes Schilderungen bestimmter Höllenqualen beruhen. Um nicht selbst der Verbrechen verdächtigt zu werden, machen sich die Übersetzer von Dantes Werk selbst auf die Suche nach dem Mörder... Matthew Pearl hat die wahren Probleme bei der Einführung Dantes durch den Dante Club in Amerika zu einem höchst spannenden Krimi verwoben, der stark an die Suche nach Jack The Ripper erinnert und ein wohliges Schaudern hervorruft.

Colin Harrison - „Havana Room“

(Hoffmann und Campe, 448 S., HC)
Bill Wyeth gehört eindeutig zu den Typen auf der Überholspur des Lebens. Als erfolgreicher Anwalt in einer bekannten New Yorker Kanzlei lässt er es sich auf der Sonnenseite des Lebens mit seiner Frau und seinem geliebten Sohn Timothy gut gehen. Bis Timothy seinen achten Geburtstag feiert, Bill aber erst nachts nach Hause kommt und versehentlich für den Tod eines der dort übernachtenden Kinder verantwortlich wird. Bill fällt daraufhin in ein tiefes Loch, wird von seiner Frau verlassen und aus der Firma geschmissen.
Er sucht sich eine Bruchbude in den schlimmeren, anonymeren Gegenden der Stadt und treibt ziellos durch sein verpfuschtes Leben. Regelmäßig kehrt er aber in ein schickes Steakhaus ein, wo die Reichen und Berühmten der Stadt einkehren, wo er Tag für Tag Tisch 17 im hinteren Teil des Ladens besetzt, die Leute beobachtet, vor allem aber von der schönen, selbstbewussten Geschäftsführerin Allison fasziniert ist, mit der er bald ins Gespräch kommt. Sie vermittelt ihm einen zwielichtigen Immobilien-Deal, der unbedingt bis Mitternacht abgeschlossen werden muss. Dafür würde er Zugang zum mysteriösen „Havan Room“ bekommen, das zu unregelmäßigen Zeiten von einer erlesenen Auswahl an Leuten frequentiert wird. Bill lässt sich auf den Deal ein, obwohl er das Gefühl nicht loswird, dass sein Mandant, der imponierende Jay Rainey, dabei übers Ohr gehauen wird. Damit beginnt Bills Ärger aber erst richtig, denn noch in derselben Nacht muss er sogar mit anpacken, um die gefrorene Leiche eines von Jays Arbeitern vom gerade verkauften Grundstück zu entsorgen… Als stilsicherer Erzähler führt Colin Harrison den Leser auf eine rasante Achterbahnfahrt eines Albtraums, der für Bill Wyeth kein Ende zu nehmen scheint. Der etwas an Tom Wolfes Bestseller „Fegefeuer der Eitelkeiten“ erinnernde Roman liest sich witzig, spannend und äußerst schnell.

Patricia Cornwell - (Kay Scarpetta: 12) „Die Dämonen ruhen nicht“

(Hoffmann und Campe, 463 S., HC)
Nachdem die von vielen Kollegen fast heldenhaft verehrte Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta in Virginia ihren Job losgeworden ist, hat sie sich in Florida als private Beraterin selbstständig gemacht und versucht so, auch Abstand von den traumatischen Erlebnissen der jüngeren Vergangenheit zu gewinnen, vom Tod ihres Liebhabers Benton Wesley, der einst als FBI-Profiler eine echte Koryphäe gewesen ist, und von Jean-Baptiste Chandonnes Mordanschlag auf ihre Person. Doch der Tod von Benton Wesley war nur vorgetäuscht. Unter Mithilfe von Scarpettas Nichte, der ebenfalls aus dem polizeilichen Dienst ausgetretenen Lucy Farinelli, und Scarpettas geschätzten Freund Pete Marino ist Wesley offiziell und auch für Scarpetta bei einem Brand ums Leben gekommen.
Tatsächlich fristet er nun als Tom Haviland ein anonymes, extrem einsames Leben, hat aber noch eine Rechnung zu begleichen… Während Scarpetta an der National Forensic Academy den abschließenden Kurs des Jahrgangs 2003 betreut, hat ein Serienmörder in Baton Rouge, Louisiana, bereits zehn Frauen in den vergangenen vierzehn Monaten entführt und gefoltert.
Sie spricht Nic Robillard, eine der Lehrgangsteilnehmerinnen, auf den Fall an, da diese aus Baton Rouge stammt, und versucht durch sie, nähere Informationen über den Fall zu bekommen. Sie ahnt nicht, dass Jean-Baptiste Chandonnes Bruder Jay Tally hinter den Entführungen der Frauen steckt, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Kay Scarpetta aufweisen. Chandonne, der im Todestrakt des Gefängnisses von Polunsky in Texas sitzt, verspricht Scarpetta Hinweise auf den Fall, wenn sie ihm einen Gefallen tut: sie persönlich soll ihm die Todesspritze geben…
Faszinierender Psycho-Thriller mit interessanten, gut gezeichneten Charakteren und überraschenden Handlungsverläufen!

Patricia Cornwell - „Insel der Rebellen“

(Hoffmann und Campe, 480 S., HC)
Nach einem Streit mit seiner Ehefrau verbringt Moses Custer die Nacht in seinem Peterbilt-Sattelschlepper auf einem Obst- und Gemüsemarkt am Stadtrand von Richmond. Als um vier Uhr morgens eine hübsche junge Frau an das Autofenster klopft um Hilfe bei ihrem liegen gebliebenen Auto bittet, bezahlt er seine Hilfsbereitschaft mit dem Tod. Was auf den ersten Seiten in Cornwells neuem Buch geschildert wird, liest sich zunächst wie der Auftakt einer Vampir-Horror-Story, doch Unique First, die Lady, die Moses Custer auf bestialische Weise umbringt, ist kein Vampir, sondern Teil einer Gruppe von Highway-Piraten, die es vor allem auf Lastwagen und Trucks abgesehen haben.
Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, lässt Virginias Gouverneur Bedford Crimm IV Radarfallen auf der abgeschotteten Insel Tangier errichten, die sich aber durch diese Anordnung nur provoziert fühlt und kurzerhand den dubiosen Festland-Zahnarzt Dr. Faux kidnappt. Superintendent Judy Hammer, die die Entführung ihres geliebten Katers zu verdauen hat, und ihr engagierter Trooper Andy Brazil versuchen, mit den ungewöhnlichsten Mitteln, der eskalierenden Situation Herr zu werden. Doch die Rechnung haben sie weder ohne die Highway-Piraten noch das aufgebrachte Inselvolk gemacht… Nicht so spannend wie ihre Kay-Scarpetta-Romane, aber unterhaltsam und witzig schildert die Thriller-Bestseller-Autorin politische Intrigen und die Eigenartigkeiten kleinstädtischer Bürgerlichkeit.

Patricia Cornwell - „Wer war Jack the Ripper?“

(Hoffmann und Campe, 414 S., HC)
Zuletzt versuchten die Hughes-Brüder mit „From Hell“, einer Adaption des Comics von Alan Moore, eine Antwort auf die Frage zu finden, wer der mysteriöse Killer gewesen ist, der 1888 in London fünf Frauen auf bestialische Weise umgebracht hat und als Jack the Ripper bezeichnet wurde. In den vergangenen hundert Jahren sind immer wieder neue Theorien über die Identität des ersten Serienmörders in Umlauf gebracht worden, doch stichhaltig bewiesen konnte noch keine davon. In gewisser Weise ist Patricia Cornwell fast dazu prädestiniert gewesen, den schillernden Spekulationen ein Ende zu bereiten. Schließlich war die erfolgreiche Thriller-Autorin Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia und hat mit der Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta eine sympathische Serienheldin geschaffen.
Mit ihren Kenntnissen in der modernen Forensik hat Cornwell nun die historischen Beweise und Indizien minutiös unter die Lupe genommen und festgestellt, dass nur der englische Maler Walter Sickert, ein Schüler von Edgar Degas, als Täter der Whitechapel-Morde in Frage kommt. Die Autorin geht mit einem Team von Spezialisten dem Leben von Walter Sickert und seinen Werken auf den Grund und beschreibt ihre Entdeckungen halb als Thriller, halb als Dokumentation. Abbildungen von Fotos, Briefen und Zeichnungen runden das „Portrait eines Killers“ – so der Untertitel – gelungen ab.

Jilliane Hoffman – „Vater unser“

(Wunderlich, 572 S., HC)
Seit fast einer Woche arbeitet Georgia Adams in der Nachtschicht der Notrufzentrale, als sie um Viertel vor fünf morgens den beunruhigenden Anruf eines kleines Mädchens annimmt, das leise schluchzend um Hilfe bittet und vermutet, dass „er“ zurückkommt. Dann ist es still in der Leitung. Als ein Streifenwagen vor dem entsprechenden Haus vorfährt, aus dem der Notruf kam, entdecken die Streifenpolizisten ein grausames Blutbad. Jennifer Marquette und ihre drei Kinder Emma, Danny und Sophie liegen ermordet in ihren Betten, Dr. David Marquette hat als Einziger das Massaker überlebt und wird auf die Intensivstation ins Krankenhaus gebracht. Er gilt schnell als Hauptverdächtiger, der sich als Chirurg die lebensgefährlichen Verletzungen selbst zugefügt haben soll.
Der resoluten Staatsanwältin Julia Valentine wird der Fall übertragen. Als sie das Band von dem besagten Notruf abhört, wird der Verdacht gegen den jungen Chirurgen untermauert. Doch bei der Suche nach einem Motiv und eindeutigen Beweisen tun sich die Ermittler schwer, allerdings entpuppt sich das Sperma auf Jennifers Nachthemd nicht als das ihres Mannes. Problematisch wird der Fall vor allem dadurch, dass Marquette französischer Staatsangehörigkeit ist und die Franzosen den Angeklagten vor der befürchteten Todesstrafe bewahren wollen. Dieser plädiert zudem auf Unzurechnungsfähigkeit, weil er schizophren sei …
Nach ihren ersten beiden Thrillern um den „Cupido“-Mörder William Bantling und die Staatsanwältin C.J. Townsend ist Jilliane Hoffman mit ihrem neuen Thriller zwar ihrer Heimat Miami treu geblieben, hat aber das spektakuläre Familienmassaker mit neuen Protagonisten besetzt. Dabei hat auch die neue Staatsanwältin eine Vergangenheit aufzuarbeiten, die ihr bei dem Fall in die Quere kommt. Außerdem spielen politische Ambitionen ebenso eine Rolle wie die interessante Frage nach der psychischen Struktur des Täters. Immer wieder tauchen neue Erkenntnisse und Vermutungen auf, die es bis zum Schluss offen halten, ob Marquette tatsächlich schizophren ist oder ein geschickter Blender … Hoffman erweist sich dabei erneut als souveräne Spannungsautorin, die zunächst einen interessanten Fall konstruiert und den Leser anschließend mit den Tücken des amerikanischen Justizsystems vertraut macht.

Jilliane Hoffman – „Morpheus“

(Wunderlich, 400 S., HC)
Vor über drei Jahren versetzte der als „Cupido“ bekannte Serienkiller William Bantling ganz Miami in Angst und Schrecken. Doch Staatsanwältin C.J. Townsend, die zwölf Jahre vor der Mordserie in New York selbst Opfer einer Vergewaltigung durch Bantling wurde, setzte vor Gericht die Todesstrafe gegen Bantling durch, obwohl dieser erst durch einen anonymen Tipp und eine unrechtmäßige Fahrzeugkontrolle gefasst werden konnte.
Doch der Fall scheint noch nicht ganz abgeschlossen. Victor Chavez, der Streifenpolizist, der Bantling damals festgenommen hatte, wird bei einem Einsatz die Kehle durchgeschnitten, und zwar so grausam, dass er an seinem eigenen Blut erstickt, außerdem wird ihm die Zunge herausgeschnitten. Wenig später wird auch Chavez‘ Kollege, Officer Bruce Angelillo, hingerichtet, dann der City-Cop Sonny Lindeman. Die Presse hat für den Cop-Killer schnell einen Namen parat: „Morpheus“ – der Gott des Schlafes. Eine erste Spur führt zu Roberto Valle, der seit Jahren im Verdacht steht, in vielen seiner Hotels und Nachtclubs Geld zu waschen. Jeder der drei ermordeten Cops arbeiteten in verschiedenen Clubs, die Valle gehören. Während C.J.s Lebensgefährte, der FDLE-Special Agent Dominick Falconetti, in Richtung Drogen und Korruption ermittelt, macht sich bei der Staatsanwältin schnell ein ungutes Gefühl breit, das auf beunruhigende Weise bestätigt wird, als ihr von einem Unbekannten eine kleine Jadeskulptur der drei weisen Affen zugeschickt wird, eine Erinnerung an C.J.s früheres Leben, mit dem sich Bantling so gut auskannte. Ein weiterer Mord und ein Geständnis bringen den „Cupido“-Fall wieder vor Gericht. Wenn damals Beweismittel unrechtmäßig zutage gefördert wurden, droht Bantlings Freilassung …
Mit ihren zweiten Thriller nimmt Jilliane Hoffman den packenden „Cupido“-Fall ihres erfolgreichen Debüts erneut auf und lässt ihre Heldin weiter leiden. Erneut überzeugt die Story mit einer komplizierten Liebesgeschichte und einem spannenden Fall, der viele grausame Morde und interessante Wendungen bietet, aber nicht mehr ganz so stark von der inneren Zerrissenheit profitieren kann, die die Protagonistin in „Cupido“ prägte.

Jilliane Hoffman – „Cupido“

(Wunderlich, 479 S., HC)
Im Juni 1988, vier Wochen vor ihrem New York State Bar Exam, besucht Chloe Larson mit ihrem Freund, dem vielversprechenden Anwalt Michael Decker, am Broadway „Das Phantom der Oper“, um ihren zweiten Jahrestag zu feiern. Doch der Abend wird ein Desaster. Michael erscheint erst zum letzten Akt des Musicals, schenkt seiner Freundin beim anschließenden Essen statt des erhofften Verlobungsrings eine goldene Halskette und schwafelt nur von seiner Arbeit.
Die folgende Nacht verbringt Chloe lieber allein, doch sehr bald bekommt sie ungebetenen Besuch von einem Einbrecher mit Clownsmaske, der sie fesselt und bis zum Morgen vergewaltigt. Als sie aus dem Krankenhaus mit der Nachricht entlassen wird, dass sie keine Kinder bekommen könne, sucht sich Chloe eine neue Wohnung in den North Shore Towers, schmeißt die Anwaltsprüfung, gibt die Beziehung zu Michael auf und nimmt eine Stelle als Telefonistin in einem Hotel an. Doch Chloes Vergewaltiger ist ihr immer noch auf den Fersen …
Zwölf Jahre unterstützt Chloe als Staatsanwältin C.J. Townsend Dominick Falconetti, Special Agent des Florida Department of Law Enforcement, und sein Team in der Sonderkommission „Die Mauer“, die es mit elf vermissten jungen Frauen zu tun hat, von denen mittlerweile neun verstümmelt und tot aufgefunden worden sind. Der Killer hat seine Opfer nicht versteckt, sondern sie für ihre Entdeckung sorgfältig inszeniert, sie aufgeschnitten und ihnen das Herz entnommen, sie auf jede erdenkliche Weise vergewaltigt und von der Sonderkommission wegen seiner Brutalität den Namen Cupido verpasst bekommen. Bei einer einfachen Verkehrskontrolle geht der Polizei Cupido ins Netz. William Bantling, so sein bürgerlicher Name, hat sein letztes ermordetes Opfer sogar noch im Kofferraum. Als Staatsanwältin C.J. Townsend dem mutmaßlichem Täter vor Gericht begegnet, nimmt sie schockiert die S-förmige Narbe an der Hand des Angeklagten zur Kenntnis und erkennt in Bantling jenen Mann wieder, der sie vor zwölf Jahren so brutal vergewaltigt hatte. Allerdings verjähren in New York Sexualdelikte nach fünf Jahren, so dass Bantling für Chloes Vergewaltigung nicht mehr belangt werden kann. Also macht sie sich auf die Suche nach weiteren Opfern des Vergewaltigers mit der Clowns-Maske, füttert die juristische Online-Datenbank mit entsprechenden Suchbegriffen und stößt tatsächlich auf ähnliche Fälle in anderen Staaten, in denen allerdings auch die Verjährungsfrist zur Strafverfolgung abgelaufen ist. Doch es kommt noch schlimmer. Da Bantlings Fahrzeugkontrolle unrechtmäßig war, droht der Fall vor Gericht durchzufallen. Doch erst als Bantling erkennt, wer die Todesstrafe für ihn beantragt, bekommt der Cupido-Fall eine ganze neue Wendung …
Mit ihrem ersten Thriller ist der ehemaligen stellvertretenden Staatsanwältin Jilliane Hoffman gleich ein großer Wurf gelungen. „Cupido“ überzeugt mit einem spannenden Plot, einer sympathischen Heldin, die zwischen persönlicher Rache und ihrer Verantwortung als Staatsanwältin abwägen muss, und einem wendungsreichen Justiz-Thriller-Setting, das den Leser bis zum Schluss in Atem hält.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Karin Slaughter - (Grant County: 3) „Dreh dich nicht um“

(Wunderlich, 460 S., HC)
Mit ihren ersten beiden Thrillern „Belladonna“ und „Vergiss mein nicht“ hat sich Karin Slaughter verdientermaßen in die erste Liga der Krimi-Autorinnen geschrieben. Auch ihr neues Werk ist wenig zimperlich ausgefallen und stellt die reinste Adrenalinspritze dar. Dabei begegnen uns alte Bekannte. Die Gerichtsmedizinerin und Kinderärztin Sara Linton ist gerade mit ihrer schwangeren Schwester Tess unterwegs, als sie zu einem Unfallort gerufen wird.
Auf dem Campus in Heartsdale, Georgia, wird der junge Andy Rosen von seiner Kommilitonin Ellen Schaffer tot aufgefunden. Ein Abschiedsbrief legt Selbstmord nahe, doch in der Nähe des Tatorts wird dann auch Tess brutal überfallen, als sie sich auf die Suche nach einer Toilette begab. Als dann auch Ella Schaffer nach einem vorgetäuschten Selbstmord mit weggeschossenem Kopf aufgefunden wird, versuchen Polizeichef Jeffrey Tolliver und seine Leute eine Verbindung zwischen den drei Fällen herzustellen. Spielten etwa Drogengeschäfte auf dem Campus eine Rolle, oder vielleicht rechtsradikale Parolen am Brückengeländer, wo Andy aufgefunden wurde? Vor allem macht sich Lena Adams, Jeffreys ehemalige Arbeitskollegin und nun bei der Campus-Polizei angestellt, verdächtig, lässt sich auch noch auf den jungen Ethan White ein, der über und über mit Nazi-Zeichen tätowiert ist und ein ellenlanges Vorstrafenregister besitzt. Dann passieren weitere Morde ... Atemberaubend spannend – man tappt bis zum Schluss absolut im Dunkeln und wird mitgerissen in einen Strudel aus Rassismus, Drogensumpf, Gewalt und Leidenschaft.

Karin Slaughter - (Grant County: 4) „Schattenblume“

(Wunderlich, 480 S., HC)
Gerade als die Kinderärztin und Gerichtsmedizinerin Sara Linton ihren Freund, Chief Jeffrey Tolliver, im Büro aufsucht, um ihre Beziehungsprobleme zu erörtern, und der junge Cop Brad Stephens eine Gruppe von Schulkindern durch die Räume des Polizeireviers von Heartsdale führt, stürmen zwei maskierte Gangster ins Revier, knallen den erstbesten Polizisten ab und nehmen die Kinder und alle anderen Personen als Geiseln.
Derweil versuchen Frank, der noch rechtzeitig flüchten konnte, und die gerade erst zum Polizeidienst zurückgekehrte Lena mit Hilfe des Georgia Bureau Of Investigation, die Geiselnahme zu einem unblutigen Ende zu führen und die Motive der Gangster zu ergründen. Die liegen nämlich in der mehr als zehn Jahre zurückliegenden Vergangenheit, als Jeffrey und Sara gerade erst ein Paar wurden und in Jeffreys Heimatstadt Sylacauga ein paar Tage Urlaub machen wollten. Doch der Aufenthalt wird von einigen Morden überschattet, in die Jeffreys bester Freund Robert verwickelt zu sein scheint …
Im vierten, wiederum extrem spannenden und wendungsreichen Abenteuer von Jeffrey Tolliver und Sara Linton erfährt der Leser endlich etwas über den schwierigen Beginn der problematischen Beziehung zwischen den beiden Protagonisten. Und dann verwundert es einen nicht mehr, dass die Ereignisse von 1991 noch immer wie ein dunkler Schatten über den beiden liegt …

Karin Slaughter - (Grant County: 2) „Vergiss mein nicht“

(Wunderlich, 508 S., HC)
Das Wiedersehen zwischen Jeffrey Tolliver, dem Polizeichef der Kleinstadt Heartsdale, und seiner Ex-Frau, der Kinderärztin und Pathologin Sara Linton, auf der Rollschuhbahn wird jäh unterbrochen, als Tolliver zu einem Einsatz direkt vor der Bahn gerufen wird. Dort droht die 13-jährige Jenny den sechzehnjährigen Herzensbrecher Mark Patterson zu erschießen. Bevor es dazu kommt, ist Tolliver gezwungen, das Mädchen niederzustrecken.
Derweil entdeckt Dr. Linton ein Neugeborenes auf der Toilette, auf der ihr zuvor Jenny begegnet war. Doch die Blutanalyse und Jennys Autopsie bringen Schreckliches zutage. Das Kind ist nicht von Jenny, deren Körper nicht nur von selbst zugefügten Schnittwunden übersät ist, sondern die auch brutal vergewaltigt und deren Vagina vor gut einem halben Jahr zugenäht worden ist. Niemand, nicht mal Jennys Mutter oder Sara selbst, die Jennys Ärztin gewesen ist, ahnten etwas von den schrecklichen Leiden des Mädchens. Doch auf der Suche nach Erklärungen tut sich die Polizei schwer. Erst als Tolliver seine alkoholabhängige Mutter im Krankenhaus von Sylacauga besucht und bei einem Treffen mit Highschool-Freunden auf einen Fremden trifft, der auf der Hand die gleiche Tätowierung wie Mark Patterson aufweist, wird das ganze Ausmaß des Dramas deutlich…
Schonungsloser und extrem spannender Kleinstadt-Thriller, der unverblümt die finstersten Abgründe der menschlichen Seele aufzeigt.

Cody McFadyen – „Ausgelöscht“

(Lübbe, 459 S., HC)
Smoky Barrett, Koordinatorin für das US-Bundesamt zur Analyse von Gewaltverbrechen beim FBI, verbringt mit ihrem Lebensgefährten Tommy gerade ein paar unbeschwerte Tage auf Hawaii, ehe sie in Los Angeles schnell wieder der brutale Alltag einholt. Vor dreieinhalb Jahren wurde Smoky Opfer eines abscheulichen Verbrechens, als der Psychopath Joseph Sands ihren Mann Matt zu Tode folterte, sie selbst vergewaltigte und verstümmelte und schließlich ihre Tochter Alexa als Schutzschild benutzte, als Smoky den Peiniger ihrer Familie erschoss.
Doch als wäre dieses Erlebnis nicht schon traumatisch genug gewesen, musste Smoky den Verlust ihrer besten Schulfreundin Annie King betrauern, deren Tochter Bonnie sie schließlich adoptierte. Zurück in L.A. nimmt Smoky als Trauzeugin an der Hochzeit ihrer Freundin und Kollegin Callie Thorne teil, als Smoky eine beunruhigende SMS mit der Botschaft „Ich bin ganz nah. Und ich habe ein Geschenk für Sie, Special Agent Barrett“ erhält. Wenig später fährt ein schwarzer Mustang vor und wirft eine halbnackte Frau auf den Asphalt. Wie die Ermittlungen ergeben, handelt es sich um die Polizistin Heather Hollister, die vor acht Jahren spurlos verschwunden ist und von ihrem Mann vor kurzem für tot erklärt wurde, worauf er ihre stattliche Lebensversicherung kassieren konnte. Wie Smokys Team herausfindet, wollte sich Heather vor ihrer Entführung scheiden lassen, so dass ihr Mann nach wie vor als Tatverdächtiger gilt – im Gegensatz zu Heathers Geliebtem Jeremy Abbott, der in derselben Nacht verschwand wie Heather. Mit dem damals ermittelnden Detective Daryl Burns versuchen Smoky & Co Heather zu befragen, doch leider kann sie sich an absolut nichts erinnern. Dafür geraten Smoky und ihr Team selbst unvermittelt ins Visier des Killers, der den meisten seiner Opfer durch Lobotomie jeglicher Erinnerungen und Persönlichkeit beraubt …
Mit Smoky Barrett hat der amerikanische Autor Cody McFadyen eine sympathische Heldin erschaffen, die dermaßen qualvolle Erfahrungen machen musste, an denen die meisten Menschen höchstwahrscheinlich zerbrochen wären. Doch angetrieben von dem starken Verlangen, anderen Menschen das Leben zu retten, zählt sie zu den besten Ermittlern beim FBI und kann sich hervorragend in die Psyche der grausamen Serientäter hineinversetzen. McFadyen schildert die schwierigen Ermittlungen auf extrem spannende Weise und vor allem psychologisch sehr eindringlich und einfühlsam, so dass der Leser nie Smokys aufwühlendes Seelenleben aus den Augen verliert. Wie seine Vorgänger ist „Ausgelöscht“ mit einer hypnotischen Sogkraft ausgestattet, bei dem das grausame Geschehen immer von interessanten wie beunruhigenden Emotionen und Gedanken unterfüttert wird. Diese Qualität macht den vierten Smoky-Barrett-Roman schon jetzt zu einem der absoluten Thriller-Highlights des Jahres!

Dienstag, 15. Dezember 2009

Dan Brown - „Sakrileg“

(Lübbe, 605 S., HC)
Nachdem Robert Langdon, Harvard-Professor für religiöse Symbolologie, in Dan Browns erstem Bestseller „Illuminati“ seinen erfolgreichen Einstand feiern durfte, schaffte es auch sein neues Abenteuer, „Sakrileg“, innerhalb kürzester Zeit auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Schließlich versteht es der amerikanische Autor Dan Brown mit seinen Büchern perfekt, einige der interessantesten Aspekte aus der Kirchen- und Kunstgeschichte in packenden Thriller zu beleuchten. In „Sakrileg“ geht es dabei um nicht weniger als das Bemühen der katholischen Kirche und der ultrakonservativen Sekte Opus Dei, die Heilsgeschichte, wie sie in den vier Evangelien des Neuen Testaments geschrieben stehen, mit allen Mitteln als die einzige Wahrheit zu verteidigen.
Vor allem wird dabei die Prieuré de Sion, die 1099 gegründete Orden der Bruderschaft von Sion, bekämpft, die sich der Behütung des Heiligen Grals verschrieben hat, aber plant, zu einem bestimmten Zeitpunkt ihr mächtiges Geheimnis zu lüften. Als Langdon nach Paris zu einem Vortrag eingeladen wird, wird mit Jacques Saunière, dem Museumsdirektor des Louvre, der Großmeister des Ordens, ermordet aufgefunden. In den wenigen Minuten, die ihm noch blieben, bis er an der Bauchschusswunde sterben sollte, hinterließ er eine merkwürdige Nachricht. Zusammen mit Saunières Enkeltochter, der Kryptologin Sophie Neveux, macht sich der des Mordes an Saunière verdächtige Langdon auf eine aufregende Schnitzeljagd, bei der sie dem Geheimnis des Heiligen Grals gefährlich nahe kommen…
Sicherlich entsprechen einige von Dan Browns kunsthistorischen und religionsgeschichtlichen Deutungsversuchen nicht immer dem wissenschaftlichen Konsens, aber seine gewagten Thesen regen auf jeden Fall zum Nachdenken und Diskutieren an und sind vor allem in absolut spannende Thriller verpackt.

Minette Walters - „Der Außenseiter“

(Goldmann, 512 S., HC)
Als sich die beiden dreizehnjährigen Mädchen Cill und Lou eines Nachmittags im Mai des Jahres 1970 von drei halbstarken Jungs aus dem Ortszentrum von Highdown, Bournemouth, in den Colliton Park mitnehmen ließen, endete das kokette Spiel der Mädchen damit, dass Cill von den drei Jungen mehrmals vergewaltigt wurde, während die dünnbrüstige Lou verschont blieb. Mit der Freundschaft zwischen den beiden Mädchen war es dann vorbei.
Der Fall wurde der Polizei zwar bekannt, die Täter wurden aber nie gefasst, Cill verschwand daraufhin spurlos … Einen Monat später wird in Bournemouth die 57-jährige Grace Jeffries brutal ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Verdächtigt wurde ihr geistig zurückgebliebener Enkel, der zwanzigjährige Howard Stamp, der bereits in der Schule auffällig gewesen ist und nach einer 36-stündigen Befragung durch die Polizei ein Geständnis ablegte und im August 1971 verurteilt wurde. Die lebenslange Haftstrafe hat Stamp aber nicht vollends verbüßt. Er nahm sich im Gefängnis das Leben. Als dem Anthropologen Dr. Jonathan Hughes dreißig Jahre später die Prozessakten in die Hände fallen, befasst er sich in seinem Buch „Kranke Seelen“ über Justizirrtümer und Fehlurteile auch mit dem Fall Howard Stamp. Die resolute Stadträtin George Gardener ist ebenfalls von der Unschuld Stamps enttäuscht und macht sich mit Hughes gemeinsam daran, den Fall neu aufzurollen. Interessant wird es, als die beiden herausfinden, dass das verschwundene Mädchen von damals, Cill Trevelyan, von der noch immer jede Spur fehlt, mit Howard Stamp und Grace Jeffries befreundet gewesen war. Als das ungleiche Ermittlerpaar eine Verbindung zwischen beiden Fällen herzustellen versucht, kommt es einer raffinierten Intrige auf die Spur … Extrem spannender und psychologisch packender Thriller der britischen Autorin.

Montag, 14. Dezember 2009

Dan Brown - „Diabolus“

(Lübbe, 524 S., HC)
Nach seinen beiden Geheimbund-Thrillern „Illuminati“ und „Sakrileg“, mit denen Dan Brown weltweit monatelang die obersten Plätze der Bestseller-Listen belegte, scheint dem Titel nach auch sein neuster Streich, „Diabolus“, im Milieu geheimnisvoller Bruderschaften zu spielen. Doch „Diabolus“ bezeichnet keine teuflische Sekte, sondern ein Codierungs-Programm, das selbst TRANSLTR, den Super-Computer der kryptographischen Abteilung des US-Geheimdienstes NSA, überfordert. Während dieser geheime Computer bislang innerhalb weniger Minuten jeden erdenklichen Code dechiffrieren und damit schon etliche Anschläge auf die Sicherheit der USA vereiteln konnte, rechnet TRANSLTR nun schon über 18 Stunden an „Diabolus“. Sein Erfinder, das ehemalige NSA-Genie Ensei Tankado, will diesen Code der Allgemeinheit zugänglich machen und so seinen verhassten ehemaligen Arbeitgeber bloßstellen. Bevor er den Entschlüsselungscode jedoch meistbietend verkaufen kann, wird er in Sevilla ermordet.
Die NSA schickt den Fremdsprachenspezialisten David Becker nach Sevilla, um Tankados Ring, auf dem der Code eingraviert ist, in die USA zurückzubringen, doch der Ring ist bereits durch viele Hände gegangen und scheint nicht mehr aufzufinden zu sein. Währenddessen versucht Susan Fletcher, Davids Verlobte und Chefin der kryptographischen Abteilung der NSA, den Mittelsmann ausfindig zu machen, der nach Tankados Tod die Verhandlungen über den Key führt. Dabei stößt sie bald auf eine entsetzliche Überraschung… Auch mit seinem neuen Werk gönnt Dan Brown seinen Lesern keine Atempause. „Diabolus“ ist ein rasanter, packender Thriller, den man ungern aus der Hand legt, bevor man die letzte Seite erreicht hat.

Montag, 7. Dezember 2009

Jeffery Deaver – (Kathryn Dance: 2) „Allwissend“

(Blanvalet, 543 S., HC)
Am Abend des 25. Juni entdeckt ein Streifenpolizist auf dem Highway 1 bei Monterey ein Kreuz am Straßenrand, wie zum Gedenken an einen tödlichen Autounfall – allerdings steht auf dem von roten Rosen umgebenen Kreuz kein Name, dafür aber das Datum des folgenden Tages. Tatsächlich entkommt am nächsten Abend Tammy Foster nur knapp dem Tode, als sie von ihrem Entführer in den Kofferraum eines Wagens gesperrt und das Auto am Strand stehengelassen wurde, wo der Kofferraum allmählich von der Flut überschwemmt wurde. Doch das Wasser stieg nicht so hoch, dass die beliebte Cheerleaderin von der Robert Louis Stevenson Highschool hätte ertrinken können.
Als Kathryn Dance, Kinesik-Expertin des California Bureau of Investigation, zusammen mit Detective Michael O’Neil vom Monterey County Sheriff’s Office die Ermittlungen aufnimmt, führt Tammys Laptop zu einem populären Blog namens „The Chilton Report – Die moralische Stimme Amerikas“, in dem sich Tammy abfällig über einen mutmaßlichen Unfallfahrer geäußert hat, der bereits zwei Mädchen auf dem Gewissen hat, die mit ihm im Auto gesessen haben. Nachdem auch andere User des Blogs über Travis Brigham hergezogen sind, befürchten Kathryn und ihre Kollegen weitere Racheakte von Tammys verleumdetem Mitschüler. Doch der taucht plötzlich mit der Pistole seines Vaters bewaffnet unter. Sorgen macht Kathryn aber auch die Anklage gegen ihre Mutter Edie, der vorgeworfen wird, in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet, einem schwerverletzten Patienten Sterbehilfe geleistet zu haben …
Nach „Die Menschenleserin“ legt Jeffery Deaver mit „Allwissend“ den zweiten Roman um seine neue Protagonistin Kathryn Dance vor, die Deavers Hauptermittler-Duo Lincoln Rhyme und Amelia Sachs bereits bei einem Fall ausgeholfen hatte. In „Allwissend“ ist sie aber nicht nur beratend tätig, sondern als leitende Ermittlerin bei einem Fall unterwegs, der sich mit den virtuellen Welten des Internets befasst, Mobbing-Attacken in Online-Foren, Spielsucht bei Online-Rollenspielen und den sozialen Auswirkungen der wachsenden Abhängigkeit Jugendlicher im virtuellen Raum. Deaver schildert die Problematik auch für Laien verständlich und wie gewohnt äußerst spannend mit vielen Wendungen bis zu einem überraschenden Schluss. Sicher nicht der beste Thriller aus Deavers Feder, aber mit Kathryn Dance hat der Bestseller-Autor eine faszinierende Figur geschaffen, die sich nahtlos in die Reihe von Patricia Cornwells Kay Scarpetta , Kathy Reichs Tempe Brennan, Karin Slaughters Sara Linton und James Pattersons Club der Ermittlerinnen einfügt. Interessanterweise gibt es den „Chilton Report“ tatsächlich, und Jefferys Deavers Schwester ist dessen Webmasterin …

Samstag, 5. Dezember 2009

Ethan Hawke - „Aschermittwoch“

(Kiepenheuer & Witsch, 317 S., HC)
Jimmy Heartsock sieht eigentlich wie der geborene Verlierer aus. Das wird ihm selbst sehr deutlich, als er im Auftrag seines Lieutenants einer Frau beibringen muss, dass ihrem Mann bei einer Schießerei der Kopf weggeschossen wurde. Total vollgekifft leiert Jimmy den offiziellen Text ohne jegliche Anteilnahme runter. Schwerer wiegt für ihn allerdings der Umstand, dass er ohne triftigen Grund mit seiner Freundin Christy Schluss gemacht hatte. Dabei war sie das Beste, was ihm in seinem armseligen Leben passiert ist.
Christy macht sich daraufhin schwanger mit dem Greyhound-Bus nach Texas zu ihrer Familie. Jimmy fährt ihr hinterher und macht ihr einen Heiratsantrag, den Christy sogar annimmt. Abwechselnd aus der Perspektive von Jimmy und Christy erzählt, wird der Leser Zeuge einer ganz besonderen Odyssee, die das junge Paar nicht nur durch Manhattan, Cincinatti und New Orleans bis nach Houston führt, sondern auch durch die schwierigen Familienverhältnisse, in denen die beiden aufgewachsen sind, durch die problematische Vergangenheit, durch all ihre Ängste und Hoffnungen, Träume und Enttäuschungen. Der bekannte Schauspieler Ethan Hawke („Große Erwartungen“, „Gattaca“, „Schnee der auf Zedern fällt“) erzählt in seinem zweiten Roman mit viel Humor und großem Einfühlungsvermögen eine hinreißende Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die sich erst einmal selbst finden müssen, um den Mut für ein gemeinsames Leben aufbringen zu können.

Freitag, 4. Dezember 2009

Jeffery Deaver - (Lincoln Rhyme: 6) „Das Teufelsspiel“

(Blanvalet, 511 S., HC)
Als die sechzehnjährige Geneva Settle in der Bibliothek des Museums für afroamerikanische Kultur und Geschichte in Midtown Manhattan über einem Artikel über die Verfolgung ihres Verwandten Charles Singleton aus dem Jahre 1868 sitzt, wundert sie sich über verdächtige Geräusche. Doch der ihr auflauernde Täter drischt mit seinem Baseballschläger nur auf eine verkleidete Puppe ein, Geneva nutzt das Täuschungsmanöver zur Flucht. Als Amelia Sachs und der vom Hals abwärts gelähmte Kriminalist Lincoln Rhyme von dem Fall erfahren, geht man noch von einer versuchten Vergewaltigung aus, doch die am Tatort gefundene Tarotkarte „Der Gehängte“ lässt auf ein anderes Motiv schließen.
Während der Spurensicherung wird auch der Bibliothekar erschossen. Den Ermittlern wird schnell klar, dass es sich um einen Auftragskiller handelt, der einfach keine Spuren hinterlässt, aber Geneva auch unter Polizeischutz nach wie vor auszuschalten versucht und dabei auch unschuldige Opfer bewusst in Kauf nimmt. Doch je näher die Polizei dem Killer auch auf die Spur kommt, desto mehr wird das tatsächliche Motiv unklar. Erst der an einem späteren Tatort gefundene Diamantenstaub bringt die Ermittler auf die richtige Spur. Doch bis zur Ergreifung des geschickten Täters müssen noch etliche Hinweise verfolgt werden … Gewohnt wendungsreicher, extrem spannender Psychothriller, der zum Ende hin vielleicht etwas übertrieben viele Haken schlägt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Jeffery Deaver - (Lincoln Rhyme: 7) „Der gehetzte Uhrmacher“

(Blanvalet, 512 S., HC)
Nicht zuletzt durch die kongeniale Verfilmung ihres ersten gemeinsamen Falls „Der Knochenjäger“ mit Denzel Washington als körperlich schwerstbehindertes Ermittler-Genie Lincoln Rhyme und Angelina Jolie als taffe Spuren-Expertin Amelia Sachs ist das Duo auch einer breiten Leserschaft bekannt geworden. In ihrem mittlerweile siebten Fall haben es die beiden mit einem raffinierten Killer zu tun, der sich selbst der „Uhrmacher“ nennt und an den ersten beiden Tatorten an einem Pier und in einer dunklen Seitengasse am Broadway jeweils ein Gedicht und eine Uhr zurückgelassen hat.
Als der Verkäufer der Uhren endlich ausfindig gemacht werden kann, müssen Rhyme und Sachs feststellen, dass der Uhrmacher gleich zehn Exemplare dieser außergewöhnlichen Uhr bestellt hat – doch wo liegt die Verbindung zwischen den Opfern? Zum Glück bekommt das geniale Ermittler-Duo tatkräftige Unterstützung von dem engagierten Neuling Pulaski und Kathryn Dance, einer Spezialistin für Körpersprache. Die Ermittlungen werden aber durch Sachs’ Entdeckung gestört, dass ihr Vater offensichtlich ein korrupter Polizist gewesen ist, weshalb auch sie unter polizeilicher Beobachtung steht, zumal sie vor kurzem noch mit einem Gangster liiert gewesen ist. Doch der Uhrmacher sucht unerbittlich ein Opfer nach dem nächsten auf und verdeckt dabei gekonnt die Spuren zu seinem eigentlichen Ansinnen … Deavers Thriller zählen zu recht zu den besten, die das Genre hervorbringt. Auch „Der gehetzte Uhrmacher“ bietet wieder atemlose Spannung bis zur letzten Seite!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Jeffery Deaver - (Lincoln Rhyme: 5) „Der faule Henker

(Blanvalet, 480 S., HC)
In einer New Yorker Musikschule stirbt ein junges Mädchen qualvoll durch eine Strangulation, bei der ihre Hände auf dem Rücken gefesselt und ihre Füße mit einem Strick um den Hals verknüpft sind. Obwohl zwei Polizeibeamtinnen den mutmaßlichen Täter in einem Raum ohne Fluchtmöglichkeiten ausmachen können, verschwindet dieser spurlos. Als Amelia Sachs, die gerade ihre Prüfung zum Detective Sergeant abgelegt hat, den Tatort nach Spuren absucht, fallen ihr nicht nur die um exakt 8 Uhr zertrümmerte Armbanduhr des Opfers, sondern auch einige merkwürdige Utensilien auf, die üblichem Zaubereibedarf entstammen. Genau vier Stunden später wird ein Maskenbildner in seiner Wohnung auf einem Tisch zersägt aufgefunden. Diesmal schaffte es der Täter, zwei Schlösser innerhalb kürzester Zeit zu knacken.
Auch diesmal verweist der Mord auf einen typischen Illusionistentrick. Lincoln Rhyme, der querschnittsgelähmte Ermittler, den wir mit Amelia bereits in der Roman-Verfilmung „Der Knochenjäger“ kennen lernen durften, engagiert die junge Zauberkünstlerin Kara zur Unterstützung bei den Ermittlungen. Tatsächlich kann mit ihrer Hilfe der dritte geplante Mord an einer Anwältin am Ufer des Hudson River gerade noch vereitelt werden. Es beginnt ein spannendes Katz- und Mausspiel, bei dem der bald als Erick A. Weir identifizierte Tatverdächtige immer wieder dem Zugriff der Polizei entkommt und sich immer neue Verkleidungen und Tricks ausdenkt. Schließlich scheint auch die Spur zu seinem eigentlich Motiv immer neue Wege einzuschlagen... Raffinierter, gut recherchierter Psycho-Thriller, bei dem Rhyme und Sachs all ihr Können aufbieten müssen, um dem gerissenen Illusionisten auf die Spur zu kommen.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Jeffery Deaver - (Lincoln Rhyme: 4) „Das Gesicht des Drachen“

(Blanvalet, 475 S.,HC)
Genau wie sein Bestseller-Kollege John Grisham ist auch Jeffery Deaver Rechtsanwalt gewesen, bevor er sich ganz der Schreiberei widmete. Spätestens die Verfilmung seines Romans „Die Assistentin“ von Phillip Noyce als „Der Knochenjäger“ mit Denzel Washington in der Rolle des fast vollständig gelähmten Kriminalistik-Genies Lincoln Rhyme und Angelina Jolie als seine Spurensicherungsexpertin Amelia Sachs machte Deaver einem größeren Publikum bekannt.
Mit „Das Gesicht der Drachen“ veröffentlicht er bereits den vierten Roman um das brillante Ermittlerpaar, das auch zum Liebespaar wurde. Diesmal ist Rhyme als Berater für das FBI tätig, die einem gesuchten chinesischen Menschenschmuggler auf der Spur ist, der wegen seiner Fähigkeit, stets unentdeckt zu bleiben, nur als der „Geist“ bezeichnet wird. Rhyme gelingt es zwar, den Anlaufpunkt des Schiffes „Fuzhou Dragon“ im New Yorker Hafen zu ermitteln, doch rechnet er nicht damit, dass der Geist das Schiff in die Luft sprengt und entkommt. Mit brutaler Entschlossenheit macht sich der Geist auf die Suche nach den überlebenden Flüchtlingen. Rhyme und Sachs bleibt nicht viel Zeit, denn nach und nach spürt der Geist seine Opfer auf... Deaver beschreibt mit kriminalistischem Feingefühl und psychologischem Tiefsinn eine aussichtslos erscheinende Suche, bei der Rhyme und Sachs auch private Sorgen zu bewältigen haben.