Donnerstag, 9. Juni 2011

Olen Steinhauer – „Last Exit“

(Heyne, 543 S., HC)
Als der Journalist Henry Gray einen Brief des verstorbenen CIA-Agenten Thomas Grainger erhält, in dem dieser von seiner Abteilung und Operationen berichtet, die sich mit dem Sudan und gegen China beschäftigten, sieht er wieder Schwung in seine abgeflaute Karriere kommen. Doch bevor er sich näher mit der Story beschäftigen und sich wie von Grainger gewünscht an Milo Weaver wenden kann, wird er von Weavers Kollegen James Einner ausgeschaltet. Vier Monate später taucht Weaver in Budapest auf, um Gray im Krankenhaus zu besuchen, kann sich aber noch keinen Reim auf die Geschichte machen.
Ein paar Monate später erhält Weaver, reaktivierter Agent der CIA-Abteilung für die schmutzigsten Geschäfte, Tourismus genannt, seinen achten Auftrag, wenn möglich zwanzig Millionen Dollar zu beschaffen. Weaver beschließt, aus einem schlecht bewachten Museum in Zürich vier Gemälde zu stehlen, doch bevor er diese zu Geld machen kann, bekommt Weaver von seinem neuen Chef Alan Drummond den Auftrag, in Berlin das 15-jährige Mädchen Adriana Stanescu zu töten und die Leiche verschwinden zu lassen. Doch Weaver geht diese Operation völlig gegen sein Gewissen.
„Jeder Tourist hat eine Vergangenheit, und Alan Drummond wusste alles über die zwei Gründe, die Milo bei einem komfortableren Budget den Zugang zum Tourismus verwehrt hätten: seine Frau und seine Tochter. Drummond war natürlich klar, dass diese scheinbar so einfache Aufgabe für ihn schwerer war als das Erstürmen der iranischen Botschaft in Moskau. Offenbar hatte Milo mit seinem Verdacht richtig gelegen: Die Abteilung vertraute ihm noch immer nicht, und die bisherigen Aufträge hatten nur als Vorbereitung gedient, als dreimonatige Inkubationszeit vor seiner Wiedergeburt als Tourist. Ein langer Probelauf, der im neunten Auftrag gipfelte: ein Umschlag, der graue Himmel über Berlin und der Wunsch, lieber sich selbst auszulöschen, als diesen Job durchzuführen.“ (S. 52 f.)
Also gestaltet Weaver den Job nach seinen Vorstellungen um, lässt das Mädchen nach der Entführung durch seinen Vater Jewgeni Primakow, der innerhalb der UN eine eigene Geheimabteilung unterhält, in den Bergen verstecken. Als die Kleine aber tot aufgefunden wird, steckt Weaver mächtig in der Klemme, wird er doch für den Killer gehalten. Auf der Suche nach den Verantwortlichen verdichtet sich sein Verdacht, dass es innerhalb der Tourismus-Abteilung einen Maulwurf gibt, der die ganze Abteilung mit dem Aus bedroht. Und irgendwie wird Weaver das Gefühl nicht los, dass der amerikanische Senator Nathan Irwin etwas damit zu tun hat …
Nach „Der Tourist“ präsentiert der amerikanische, mittlerweile in Budapest lebende Schriftsteller Olen Steinhauer mit „Last Exit“ seinen zweiten Roman um den „Touristen“ Milo Weaver. Der bietet zwar weit weniger Action, als man es von James Bond oder Jason Bourne gewohnt ist, dafür vermittelt Steinhauer das Agenten-Dasein auf höchst authentisch wirkende Weise. Wie er seinen sympathischen, vielschichtigen, gewissenhaften Helden durch die Welt schickt, um Intrigen, Verrat und Verstrickungen aufzudecken, ist nicht nur packend geschrieben, sondern verleiht den Hauptfiguren sehr menschliche Züge. Allerdings bleibt noch die schwierige Beziehung zu Milo Weavers Frau und Tochter näher zu beleuchten. Aber dafür bieten ja die hoffentlich geplanten Fortsetzungen noch reichlich Gelegenheit …
Lesen Sie im Buch: „Last Exit“

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