James Patterson – (Alex Cross: 1) „Morgen, Kinder, wird’s was geben“

Donnerstag, 6. Januar 2011

(Weltbild, 480 S., HC)
Vor drei Jahren wurde Maria, die Frau von Alex Cross, stellvertretender Leiter der Washingtoner Kriminalpolizei, aus einem fahrenden Auto erschossen, was den Detective und Psychologen in schwere Depressionen gestürzt hat. Nun lebt er in Ghettos von Washington mit seiner Großmutter und seinen beiden bezaubernden Kindern, dem sechsjährigen Damon und der vierjährigen Janelle, und hat es mit einem entsetzlichen Blutbad zu tun. Im Schlafzimmer der Familie Sanders wurden die 32-jährige Jean, ihre vierzehnjährige Tochter Suzette und der dreijährige Mustaf ermordet aufgefunden, wobei die Brüste der Frauen abgeschnitten und ihr Schamhaar abrasiert worden ist.
Doch Cross und sein Freund und Partner John Sampson werden von dem Fall abgezogen, um bei einer Entführung an der Georgetown-Tagesschule zu ermitteln. Dort hat der Mathematiklehrer Gary Soneji mit Maggie Rose Dunne die Tochter einer berühmten Schauspielerin und mit Michael Goldberg den Sohn des Finanzministers entführt. Bei den Ermittlungen werden die beiden Cops nicht nur vom FBI, sondern auch von der Secret-Service-Agentin Jezzie Flanagan unterstützt. Doch Soneji entpuppt sich als äußerst raffinierter Killer, der bereits über 200 Menschenleben auf dem Gewissen hat.
„Ich dachte über den Kidnapper Soneji nach, ganz allein in seiner trostlosen Wohnung. Er hatte sorgfältig alle Fingerabdrücke abgewischt. Das Zimmer selbst war so klein, so mönchisch. Er war ein Leser, umgab sich jedenfalls gern mit Büchern. Und dann die Fotogalerie. Was sagte sie uns? Spuren? Irreführungen?
Ich stand vor dem Spiegel über dem Waschbecken und schaute hinein, wie er es viele, viele Male getan haben musste. Was sollte ich sehen? Was hatte Gary Soneji gesehen?“ (S. 73)
Überraschenderweise finden Cross & Co. Soneji recht schnell, doch der Fall zieht sich in die Länge. Denn der Gefangene gibt sich als Gary Murphy aus, der sich an nichts erinnern kann, was Soneji zur Last gelegt wird. Haben es Cross und seine Kollegen etwa mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun? Als eine junge Augenzeugin aussagt, an einem der Tatort gesehen zu haben, wie Soneji von einem anderen aus einem Auto heraus beobachtet worden zu sein, wird der Fall jedoch neu aufgerollt. Dabei steht Cross mehr im Mittelpunkt der Presse, als ihm lieb sein könnte …
„Morgen, Kinder, wird’s was geben“ war 1993 der erfolgreiche Auftakt der Serie um den Detective und Psychologen Alex Cross, der im Jahre 2000 auch ebenso gewinnträchtig mit Morgan Freeman in der Hauptrolle unter dem Titel „Im Netz der Spinne“ verfilmt worden ist (nachdem drei Jahre zuvor der zweite Alex-Cross-Roman „… denn zum Küssen sind sie da“ den Anfang gemacht hatte).
Im Gegensatz zu einigen späteren Thrillern der Reihe bietet James Patterson hier noch alle Zutaten für einen gelungenen Psycho-Thriller, interessante, wenn auch nicht immer detailliert gezeichnete Figuren, Kompetenzgerangel zwischen örtlicher Polizei, FBI und Secret Service, psychologisch raffinierte Fragestellungen und wendungsreiche Entwicklungen in einer Reihe von Fällen, die es in sich haben. Nachdem die ersten beiden Alex-Cross-Romane jahrelang vergriffen waren, sind sie nun endlich wieder erhältlich, wenn auch nur im Rahmen einer schlecht lektorierten Weltbild-Sammeledition.

James Patterson – (Alex Cross: 2) „... denn zum Küssen sind sie da“

(Weltbild, 464 S., HC)
Im Juni 1975 hatte ein jugendlicher Killer in Boca Raton, Florida, bereits wochenlang das schöne Strandhaus der Familie Pierce ausgekundschaftet, um dann eines Nachts zunächst seiner Schulbekanntschaft Coty unter seinem selbst gewählten Namen Casanova einen tödlichen Besuch abzustatten, danach ihrer Mutter und schließlich auch ihrer kleinen Schwester. Fast zwanzig Jahre später taucht der Name Casanova erneut in einer Reihe von Verbrechen auf, in die auch Detective Alex Cross involviert wird, als er erfährt, dass seine Nichte Naomi seit vier Tagen in North Carolina vermisst wird, wo sie Jura studiert.
Doch die in Durham ermittelnden Beamten Ruskin und Sikes geben sich wortkarg. Laut FBI laufen die Ermittlungen im Fall von mehreren vermissten hübschen jungen Frauen und drei bereits tot aufgefundenen Mädchen unter dem Etikett „streng geheim“. Sogar Ronald Burns, zweiter Mann beim FBI, befindet sich vor Ort und erklärt Cross, dass es sich um einen Riesenfall handelt. Dann taucht mit Kyle Craig ein weiterer FBI-Bekannter in Durham auf und macht Cross das Angebot, für das FBI zu arbeiten, so dass er ungehinderten Zugang zu den Informationen erhält, die Cross für das Psychogramm des Täters benötigt.
Es kommt natürlich viel schlimmer. Mit dem „Gentleman“ taucht ein ähnlich brutal auf hübsche Frauen abonnierter Killer an der anderen Küste auf. Dank der Reporterin Beth Lieberman, der der Killer seine Taten in Tagebuchform zukommen lässt, kommen Cross und das FBI dem plastischen Chirurgen Dr. Will Rudolph auf die Spur. Mit der Hilfe der attraktiven Dr. Kate McTiernan, die bislang als einzige von Casanovas entführten Frauen das Glück hatte, Casanova entkommen zu sein, stellt Cross eine Verbindung zwischen den beiden Killern her:
„Mir war ein wichtiges psychologisches Phänomen durch den Kopf gegangen. Es wurde Zwillingsbildung genannt und konnte ein Schlüssel sein. Vielleicht war Zwillingsbildung die Erklärung für die bizarre Beziehung zwischen den Ungeheuern. Die Ursache der Zwillingsbildung war ein starkes Bindungsbedürfnis, meistens zwischen zwei einsamen Menschen. Als ‚Zwillinge‘ werden sie ein ‚Ganzes‘; sie werden voneinander abhängig, häufig auf zwanghafte Weise. Manchmal entwickelt sich zwischen den ‚Zwillingen‘ eine starke Rivalität.
Zwillingsbildung war wie eine Sucht, ein Paar zu werden. Zu einem Geheimclub zu gehören. Nur zwei Menschen, kein Kennwort. In der negativen Form war es die Verschmelzung zweier Menschen aus ihren individuellen, ungesunden Bedürfnissen heraus.“ (S. 243 f.)
Fortan nimmt die Suche nach Cross‘ Nichte und den beiden geheimnisvollen Killern fieberhafte Formen an. Vor allem Cross und die dem brutalen Entführer entkommene Ärztin nehmen den Fall extrem persönlich, kommen sich während der Jagd auf Casanova und dem Gentleman auch näher, was beide gleichermaßen irritiert.
„Kiss The Girls“, so der Originaltitel des 1994 veröffentlichten zweiten Alex-Cross-Romans war der erste verfilmte Roman des schnell zum Bestseller-Autoren avancierten James Patterson, der unter dem Titel „… denn zum Küssen sind sie da“ 1997 in die Kinos kam. Die Idee mit den zwei Killern macht den Roman extrem vielschichtig. Zwar ist die Identität des Gentlemans bald gelüftet, doch Patterson führt sowohl die Ermittler als auch den Leser immer wieder auf die falsche Fährte, was Casanova angeht. Kein Wunder, dass Hollywood diese spannende Story für sich entdeckt hat und drei Jahre später auch den ersten Cross-Roman „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ für die Leinwand adaptiert hat (unter dem Titel „Im Netz der Spinne“). Neben den Ermittlungen mit psychologischen Profilen sorgt auch die Beziehung zwischen Alex Cross und Kate McTiernan für gute Unterhaltung.
In späteren Romanen hat sich Patterson leider oft nicht mehr ganz so viel Mühe mit den Charakterisierungen seiner Protagonisten gegeben, auf jeden Fall hat er mit Alex Cross einen echten Gutmenschen geschaffen, dessen Abenteuer mittlerweile von einem Millionenpublikum gelesen werden.

James Patterson – (Alex Cross: 3) „Sonne, Mord & Sterne“

(Ehrenwirth, 382 S., HC)
Ausgerechnet in unmittelbarer Nähe der Sojourner-Truth-Schule, auf der auch Alex Cross‘ Sohn Damon geht, werden innerhalb weniger Tage zwei Kinder grausam erschlagen aufgefunden. Durch einen Spitzel kommen Cross und sein Partner John Sampson schnell auf die Spur eines mutmaßlichen Kinderschänders, der auf der Flucht vor den beiden Detectives zu Tode stürzt. Doch gerade als weitere Kindermorde das Southeast-Viertel in Washington, D.C. erschüttern, wird Cross von ganz oben von dem Fall abgezogen, denn die Hauptstadt wird von einem skrupellosen Verbrecherpaar terrorisiert, das sich selbst Jack & Jill nennt.
Nachdem zunächst der liberale Senator Daniel Fitzpatrick mit zwei Schüssen ins Gesicht hingerichtet wurde, musste auch die bekannte Fernsehmoderatorin Natalie Sheehan dran glauben. Die Täter hinterlassen stets einige Verse als Nachrichten für die Polizei, schließlich auch eine Videobotschaft, mit der sie weitere Prominentenmorde ankündigen. Cross hat noch nicht allzu viele Anhaltspunkte, ein Täterprofil zu erstellen:
„Waren sie perverse Freunde? Bestand eine romantische Beziehung zwischen den beiden? Oder gab es eine andere Bindung? Eine sexuelle Komponente? Das erschien mir durchaus möglich. Oder ging es um Macht? Ein perverses Sexspiel? Vielleicht die ultimative sexuelle Phantasie? Waren sie ein Ehepaar? Oder ein Pärchen auf Killertour wie Bonnie und Clyde? War es der Anfang einer grauenvollen Serie von Verbrechen? Serienmorde in Washington? Würde es sich ausbreiten? In andere Großstädte, in denen es von Prominenten wimmelte? New York? Los Angeles? Paris? London?“ (S. 85)
Als auch noch ein berühmter Schauspieler von Jack und Jill ermordet wird, eskortiert der Geheimdienst Alex Cross ins Weiße Haus, wo höchste Alarmstufe herrscht, denn Jack und Jill sind auch die Codenamen für das Präsidentenpaar …
Um sich weiterhin mit den brutalen Kindermorden beschäftigen zu können, trommelt Cross eine inoffizielle Ermittlungsgruppe aus befreundeten Cops zusammen, die wie er auch ein persönliches Interesse daran haben, den Killer von weiteren Morden in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft abzuhalten. Dabei verguckt sich Cross, der eigentlich noch nicht ganz den Mord an seiner Frau Maria überwunden hat, in die attraktive, leider auch verheiratete Rektorin der Truth, Christine Johnson …
Wieder halten zwei schreckliche Mordserien den sympathischen Polizeipsychologen Alex Cross in Atem.  
James Patterson erweist sich in dem 1996 veröffentlichten Thriller „Jack & Jill“ einmal mehr als Meister der extrem schnörkellosen Spannungsdramaturgie, die immer dann eine neue Wendung präsentiert, wenn der Leser gerade eine Ahnung zu entwickeln scheint, wohin sich der Fall bewegen könnte. Das wirkt manchmal etwas hervorgezaubert wie das Kaninchen aus dem schwarzen Zylinder, doch tut das dem kurzweiligen Lesevergnügen keinen wirklichen Abbruch, zumal die Alex-Cross-Gemeinde auch von so charakteristischen Figuren wie Cross‘ Nana Mama und Partner John Sampson geprägt wird, die der Mörderhatz immer wieder eine zutiefst menschliche Dimension verleihen.

James Patterson – (Alex Cross: 4) „Wenn die Mäuse Katzen jagen“

Mittwoch, 5. Januar 2011

(Ehrenwirth, 336 S., HC)
Polizeipsychologe Alex Cross ist gerade dabei, sich mit Christine Johnson, der Rektorin der Schule, zu der Cross seine Kinder Jannie und Damon gebracht hat, zum Abendessen zu verabreden, da macht sich der Serienkiller Gary Soneji in der Union Station daran, von einem Zimmer auf der Galerie heraus mit seinem Browning-Gewehr wahllos Menschen zu erschießen.
„Soneji wusste nicht nur alles über die Union Station, sondern auch alles über Massenmorde, die auf überfüllten öffentlichen Plätzen verübt worden waren. Schon als Junge war er von den sogenannten ‚Jahrhundertverbrechen‘ besessen gewesen. Er hatte sich vorgestellt, wie er solche Taten beging und dann gefürchtet und berühmt werden würde. Er plante perfekte Morde und begann schließlich damit, sie auszuführen. Er vergrub sein erstes Opfer auf der Farm eines Verwandten, als er fünfzehn war. Die Leiche war bis zum heutigen Tag nicht gefunden worden.
Er war Charles Starkweather, er war Bruno Richard Hauptmann, er war Charlie Whitman. Mit dem Unterschied, dass er schlauer war als sie alle und im Gegensatz zu ihnen nicht verrückt. Er hatte auch einen Namen für sich geschaffen: Soneji, ausgesprochen So-ni-tschi. Schon mit dreizehn, vierzehn war ihm der Name furchterregend vorgekommen. Und so war es bis heute. Starkweather, Hauptmann, Whitman, Soneji.
Schon als Junge hatte er in den tiefen, finsteren Wäldern in der Umgebung von Princeton, New Jersey, mit Gewehren geschossen, mehr gejagt, mehr trainiert als je zuvor. Er war gerüstet und auf diesen Morgen perfekt vorbereitet. Zum Teufel, er war seit Jahren darauf vorbereitet.“ (S. 26)
Soneji informiert Cross kurz telefonisch über seinen Aufenthaltsort, doch als Cross am Tatort eintrifft, ist von Soneji keine Spur zu entdecken. Am zurückgelassenen Gewehr sind sogar Blutspuren von Alex Cross zu finden. Schon ereilt ihn ein weiterer Notruf, diesmal aus New York, wo Soneji in der Penn Station ein weiteres Massaker, diesmal mit einem Messer, anrichtet und wenig später auch den ermittelnden Detective Manning Goldman in dessen Zuhause brutal ermordet.
Während Cross nach dem Tod seiner Frau Maria mit Christine eine neue Beziehung beginnt, muss er Angst um sein Leben und das seiner Liebsten haben, denn Soneji will Cross bluten lassen für das, was er ihm angetan hat. Doch viel gefährlicher und unberechenbarer gestaltet sich für Cross die Jagd nach Mr. Smith, der Interpol, das FBI und die Polizei in Europa und Amerika an der Nase herumführt …
Nachdem die ersten beiden Alex-Cross-Romane „Morgen Kinder wird’s was geben“ (als "Im Netz der Spinne") und „… denn zum Küssen sind sie da“ mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt worden sind, fällt es dem Leser schwer, sich den gerade mal 41-jährigen Polizeipsychologen NICHT als Morgan Freeman vorzustellen. In seinem vierten Fall hat es Cross gleich mit zwei brutalen Serienmördern zu tun, die mit ihren Taten kein erkennbares Muster hinterlassen.
Patterson beschreibt die beiden Katz-und-Maus-Jagden gewohnt spannend und gibt der romantischen wie leidenschaftlichen Beziehung zwischen Cross und der attraktiven wie klugen Christine Johnson genügend Raum, um Alex‘ gefühlvolle Seite und seinen Familiensinn zu betonen. Allerdings fällt das Happy End dann doch etwas sehr kitschig aus …

James Patterson - (Alex Cross: 5) „Wer hat Angst vorm Schattenmann“

(Ehrenwirth, 332 S., HC)
Alex Cross ist glücklich! Nach dem immer noch ungeklärten Mord an seiner Frau Maria hat er mit Christine Johnson, der Rektorin an der Sojourner-Truth-Schule, auf die sein Sohn Damon geht, eine neue Liebe gefunden, und sie hat seinen Heiratsantrag angenommen. Doch das Glück währt nicht lang. Als Alex und Christine für einen Kurzurlaub auf die Bermuda-Insel fliegen, fährt Alex‘ Verlobte mit dem Moped nach Hamilton und kehrt nicht zurück. Wie Alex mit mulmigem Gefühl vermutet, ist sie entführt worden, wie ihm eine kurze E-Mail versichert: „Sie ist für den Augenblick sicher. Wir haben sie.“ Die Sorge um Christines Wohl lenkt den Detective von einer grausamen Mordserie ab, die das Southeast in Washington erschüttert. Ein Killer bringt ohne erkennbares Muster junge Frauen um und legt ihre nackten Leichen irgendwo ab, wo sie schnell gefunden werden. Weil es sich meist um Prostituierte handelt, um die sich niemand kümmert, laufen die Ermittlungen unter dem Begriff „Die Jane-Namenlos-Morde“.
Es dauert einige Zeit, bis Cross mit Hilfe der ehrgeizigen Polizistin Patsy Hampton auf Geoffrey Shafer stößt, einen britischen Agenten, der als Angehöriger der britischen Botschaft diplomatische Immunität besitzt. In seiner Freizeit spielt er mit drei Männern ein diabolisches Fantasy-Online-Rollenspiel namens „Die Vier Reiter“.
„Shafer nahm drei ungewöhnlich aussehende, zwanzigseitige Würfel aus der Hosentasche, wie man sie bei den meisten Fantasy- und Rollenspielen benutzt. Anstelle von Augen standen Zahlen darauf. Er hielt die Würfel in der linken Hand und rollte sie hin und her. Für die Vier Reiter gab es klare und feste Regeln. Alles hing vom Würfeln ab. Bei dem Spiel ging es darum, eine außergewöhnliche, wirre, grässliche Fantasievorstellung in die Tat umzusetzen – den totalen Wahnsinn, der jede Vorstellung sprengte. Die vier Spieler auf dem Erdball wetteiferten miteinander. Noch nie hatte es ein derartiges Spiel gegeben – nichts kam den Vier Reitern auch nur annähernd gleich. Shafer hatte bereits ein bestimmtes Abenteuer für sich im Sinn, doch zu allem gab es Alternativen. Viel hing vom Würfeln ab. Das war der Kernpunkt: Alles konnte passieren. Er stieg ins Taxi und ließ den Motor an. Herrgott, war er scharf darauf, endlich anzufangen!“ (S. 24)
Der stets tadellos gekleidete, mit seiner typisch britischen Familie in einem ansehnlichen Haus lebende Shafer versteht es hervorragend, seine Spuren zu verwischen, Bewacher auszuschalten und seine Immunität auszuspielen. Alex Cross muss sich trotz seiner Sorge um Christine, die wochenlang von ihren Entführern festgehalten wird, schließlich doch in den Fall reinhängen, um Shafer überführen zu können …
Wie gewohnt lässt Thriller-Bestseller-Autor James Patterson seinen unsterblichen Helden Alex Cross wieder gegen einen besonders bösartigen Killer antreten. Das Katz-und Maus-Spiel ist wie nicht anders zu erwarten ohne überflüssige Längen extrem spannend inszeniert, doch leidet der eigentlich überzeugende Gesamteindruck durch das extrem Hollywood-mäßige, selbst im allmöglichen Alex-Cross-Kontext unglaubwürdige Finale.

James Patterson - (Alex Cross: 6) "Rosenrot Mausetot"

(Ehrenwirth, 302 S., HC)
Das sogenannte „Superhirn“ versetzt nicht nur die Bankenwelt in Angst und Schrecken. Mit ausgeklügelten Plänen lässt er der anonyme Gangster seine sorgfältig rekrutierten Lakaien Banken überfallen und die Familie des jeweiligen Direktors als Geiseln nehmen. Der Überfall auf die Citibank in Silver Spring, Maryland, fordert nicht nur Tote in der Filiale, sondern trotz der erfolgreichen Beute auch das Leben der festgehaltenen Geiseln. 
Als Cross und sein Partner John Sampson durch einen Informanten einem Hinweis auf die Bankräuber nachgehen, stoßen sie auf die vergifteten Leichen von Errol und Brianne Parker. Doch ein Überfall auf eine First-Union-Bank in Church Falls, Virginia, erforderte weitere Tote.
„Niemand verstand, was hier geschah, geschweige denn, warum es geschah. Das liebte er. Dieses Gefühl der Überlegenheit, das daraus entstand. Sie alle waren zitternde Schwachköpfe. Auf einer numerischen Skala von 9.9999 bis 10 liefen die Dinge sehr gut. Das Superhirn war sicher, dass er keinen verhängnisvollen Fehler begangen hatte. Besondere Genugtuung bereiteten ihm der Bankraub in Church Falls und vor allem die vier rätselhaften Morde.

Er durchlebte jeden Moment des blutigen Verbrechens, als wäre er selbst dort gewesen anstelle der Glückspilze Rot, Weiß, Blau und Miss Grün. Mit tiefer Freude und Genugtuung stellte er sich die Szene im Haus des Bankdirektors vor, dann die Morde in der Bank. Immer wieder beschwor das Superhirn vor seinem geistigen Auge das Szenario herauf, vor allem jedes einzelne Detail der Morde. Die Kunstfertigkeit und der Symbolismus, die sich darin offenbarten, erfüllten ihn mit Vertrauen in die Klugheit seines Denkens – und mit dem Gefühl, das absolut Richtige zu tun.“ (S. 56)
Cross hat nicht nur alle Hände voll zu tun, an der Seite seines FBI-Freundes Kyle Craig und dessen Team das „Superhirn“ zu jagen. Er muss darüber hinaus die Trennung von seiner Geliebten Christine verdauen, die über ein Jahr auf Bermuda von dem Serienkiller Geoffrey Shafer festgehalten wurde und dabei das gemeinsame Kind Alex zur Welt gebracht hatte. Und dann wird bei seiner Tochter Jannie auch noch ein Gehirntumor diagnostiziert …
Nicht zuletzt durch die erfolgreichen Verfilmungen der ersten beiden Alex-Cross-Romane mit Morgan Freeman in der Hauptrolle des sympathischen wie effektiven Polizeipsychologen hat sich die Thriller-Reihe von James Patterson zu einem Selbstläufer mit hohem Wiedererkennungswert entwickelt. Allerdings wirkt der Plot beim mittlerweile sechsten Fall des Cop-Superhelden bei aller vertrauter Spannung mit den vorhersehbaren Wendungen manchmal doch zu routiniert, zu konstruiert, dass das Lesevergnügen gänzlich ungetrübt genossen werden könnte. Bei gut 300 Seiten bleibt leider zu wenig Raum, um die Psychologie der Protagonisten angemessen zu durchleuchten, selbst Cross‘ eigene, nicht unerheblichen Probleme – die plötzlichen epileptischen Anfälle seiner Tochter, die Diagnostizierung eines Tumors, die Trennung von seiner geliebten Christine und schließlich der zarte Beginn einer neuen Liebelei – können da weniger mehr als Randnotizen einnehmen. Aber Alex-Cross-Romane lassen sich einfach wunderbar schnell weglesen und sind stets auf einem hohen Action- und Spannungsniveau. Da macht auch „Rosenrot Mausetot“ zum Glück keine Ausnahme. Und mit dem furiosen Schluss hat Patterson wirklich einen großen Coup gelandet, der neugierig auf die Fortsetzung macht!

James Patterson - (Alex Cross: 7) „Stunde der Rache“

(Blanvalet, 350 S., Tb.)
Das siebte Abenteuer des enorm erfolgreichen Polizeipsychologen, Familienvaters und Frauenverführers Alex Cross knüpft nahtlos dort an, wo „Rosenrot Mausetot“ aufgehört hat, mit dem blutigen Tatort, an dem die FBI-Agentin Betsey Cavalierre geschändet und ermordet wurde. Kaum hat Cross die Wohnung der Toten, der er zärtlich zugetan war, betreten, erhält er auch schon einen Anruf vom Mörder, dem gefürchteten „Superhirn“, das Cross und seine Kollegen noch nicht fassen konnten.
Doch bevor sich der attraktive wie intelligente 42-Jährige mit der weiteren Jagd auf das „Superhirn“ beschäftigen kann, wird seine Aufmerksamkeit von einem brutalen Doppelmord im Golden Gate Park von San Francisco in Anspruch genommen, für den er ein Rendezvous mit der Anwältin Elizabeth Moore vorzeitig verlassen muss. Wie der Zahnexperte Dr. Pang bei der Autopsie der Leichen feststellt, waren ein Tiger und zwei Menschen für die bestialische Tat verantwortlich, das bei Hippies aufgewachsene Brüderpaar William und Michael Alexander, die als Vampire seit einigen Jahren schon ohne jegliche Moral scheinbar wahllos Menschen ermorden und ihr Blut trinken. Doch das ist nicht mal die Spitze des Eisberges. Cross, das FBI und die Polizistin Jamilla Hughes aus San Francisco müssen den Anführer der Vampir-Sekte finden, um das Morden quer durch die Staaten zu beenden. Während der fieberhaften Suche wird Alex Cross aber immer wieder vom „Superhirn“ auf Trab gehalten und bedroht, so dass der Detective stets in Sorge um seine Liebsten sein muss.
„Superhirn war im Haus der Familie Cross. Es war eine derartig aufregende und außergewöhnliche Erfahrung, wie er sie sich vorgestellt hatte. Nie hatte er sich mächtiger gefühlt als jetzt, als er um drei Uhr morgens im dunklen Wohnzimmer stand. Er hatte den Zweikampf zwischen ihnen gewonnen. Superhirn hatte triumphiert. Cross war der Verlierer. Morgen würde ganz Washington seinen Tod betrauern.“ (S. 164)
Doch auch wenn es etwas dauert, bis Cross dämmert, wer sich hinter dem Superhirn verbirgt (was dem Cross-vertrauten Leser bereits mit dem Schluss des vorangegangenen „Rosenrot Mausetot“ mitgeteilt worden ist), triumphiert er natürlich am Ende über das Superhirn. Bis dahin entwickelt sich eine routiniert inszenierte Verbrecherhatz, die mit der Vampirszene immerhin eine fantastische Komponente erhält. Allerdings kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass Bestseller-Autor James Patterson längst die Luft ausgegangen ist, was die Entwicklung seines unsterblichen Superhelden, zu dem Alex Cross längst avanciert ist, und den Spannungsaufbau seiner Geschichten angeht, und er deshalb auch mal außergewöhnlichere Täter aus dem Hut zaubert als die gewöhnlichen Psychopathen, die Cross sonst zur Strecke bringt. Nachdem nun auch das Superhirn erledigt wurde, ist man so trotzdem nur halbwegs gespannt, wie es mit Alex Cross, seiner Karriere und seinen Liebschaften weitergeht …
Lesen Sie im Buch: Patterson, James - Stunde der Rache

James Patterson – (Alex Cross: 8) „Mauer des Schweigens“

(Blanvalet, 320 S., Tb.)
John Sampson, Alex Cross‘ bester Freund und Kollege, kann es nicht fassen, dass sein alter Armee-Kumpel Ellis Cooper für schuldig gesprochen wurde, eines Abends die drei Frauen Tanya Jackson, Barbara Green und Maureen Bruno bestialisch ermordet und anschließend mit blauer Farbe angemalt zu haben, weshalb man den Fall auch die „Blue Lady“-Morde genannt hat. Obwohl Alex Cross gerade dabei ist, den Polizeidienst niederzulegen, will er seinem Freund noch bei diesem Fall zur Hand gehen.
Doch die Befragungen von Vorgesetzten und Kameraden in Fort Bragg bringen Cross und Sampson keine neuen Erkenntnisse, dafür bekommen sie zunehmend das Gefühl, dass die Armee etwas verheimlicht. Während Ellis in der Todeszelle sitzt, stößt Cross auf weitere Fälle, die in engem Zusammenhang mit dem von Ellis Cooper stehen.
„,Es sieht so aus, als hätte man Soldaten Morde angehängt, die diese nie begangen haben. Der erste war in New Jersey, der letzte scheint Ellis Cooper gewesen zu sein. Es gibt eindeutig Ähnlichkeiten, John. Die Mordwaffen wurden ein bisschen zu leicht aufgefunden. Die Täter wurden aufgrund von Fingerabdrücken und DANN-Spuren überführt. Alle diese Männer hatten hervorragende makellose Personalakten. In der Abschrift des Mordfalls in Arizona stand, dass ‚zwei oder drei Männer‘ in der Nähe des Opfers gesehen worden waren, ehe der Mord geschah. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass man unschuldigen Männern Morde angehängt und sie hingerichtet hat.‘“ (S. 98)
Auch Cross und Sampson stoßen auf einen jungen Zeugen, der drei Männer vor dem Haus gesehen haben will, in dem Ellis Cooper die drei Frauen ermordet haben soll. Und als weitere Frauen ermordet und angemalt aufgefunden werden, wissen Cross und Sampson, dass sie es mit skrupellosen wie handwerklich perfekten Serienkillern zu tun haben …
„Mauer des Schweigens“, immerhin schon der achte Teil Alex-Cross-Thriller, zählt zwar nicht zu den besten der Reihe, unterhält aber doch auf gewohnt spannende Weise. Da der Leser von Beginn an die Täter kennt, stellt sich nur die Frage, wie Cross und Sampson auf ihre Spur kommen und vor allem an ihren Aufraggeber. Interessanter sind diesmal eher die persönlichen Belange des sympathischen Ermittler-Duos.
Cross hat sich im vergangenen Fall „Stunde der Rache“ in die Polizistin Jamilla Hughes verliebt und ist gespannt, wie sich die Beziehung, wenn es denn eine werden soll, wohl entwickelt. Er sorgt sich aber auch um die Gesundheit seiner Nana, die mit ihren über achtzig Jahren noch immer den Haushalt der Cross-Familie schmeißt, aber erstmals Krankheits-Symptome zeigt. Und schließlich hat Alex Cross das Angebot vom FBI zu überdenken, seine Karriere dort fortzusetzen. Aber auch John Sampson verliebt sich in eine Zeugin und scheint erstmals eine längere Beziehung eingehen zu wollen. Allerdings fehlt es diesen zwischenmenschlichen Aspekten oft an der nötigen Tiefe. Im Vordergrund steht eben doch die Auflösung eines kniffligen Falls, bei dem Cross & Co. wieder so einige glückliche Zufälle in die Hand spielen. Wenn man sich aber so allmählich an den Umstand gewöhnt hat, dass Alex Cross über mehr als die sprichwörtlichen sieben Leben besitzt – oder einen ganz besonders fleißigen Schutzengel -, dann sorgt auch „Mauer des Schweigens“ für kurzweiligen Thrill.
Lesen Sie im Buch: „Mauer des Schweigens“

James Patterson - (Alex Cross: 9) „Vor aller Augen“



(Blanvalet, 320 S., Tb.)
Kaum hat Alex Cross seine „Orientierung“ beim FBI begonnen, bekommt er es mit ungewohnt dreisten Entführungen zu tun, die scheinbar ohne erkennbares Muster ablaufen. Wahllos werden am hellichten Tage in aller Öffentlichkeit meist wohlhabende Frauen und Männer entführt, ohne dass Lösegelder verlangt werden. Cross, der von FBI-Direktor Burns persönlich von der Washingtoner Polizei abgeworben wurde, vermutet einen Zusammenhang zu „weißen Sklavenringen“, in denen attraktive weiße Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig in den Nahen Osten oder nach Japan verkauft wurden.
Vor allem ein nur als „Wolf“ bekannter russischer Gangster-Boss , der in Lauderdale als Ari Manning Geschäfte mit Waffen, Erpressung, Drogen, Banken und Medien machte, wird verdächtigt, mit den spektakulären Entführungen zu tun zu haben. Doch während Cross und seine neuen Kollegen nicht nur die entführten Geiseln aufzufinden suchen und den „Wolf“ überführen wollen, hat der gefragte Polizeipsychologe Cross natürlich auch private Probleme um die Ohren. Auf einmal steht nämlich Cross‘ alte Flamme Christine Johnson vor der Tür und beansprucht das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Alex …
Wenn man erst einmal mit der Alex-Cross-Reihe angefangen hat, fällt es schwer, wieder damit aufzuhören. Allerdings wirkten bereits die letzten Teile recht routiniert und lieblos wie am Reißbrett konstruiert, Teil 9 macht da leider keine Ausnahme. Der Umstand, dass Cross seine Karriere nun beim FBI fortsetzt, bietet etliche Möglichkeiten, die James Patterson fahrlässig ungenutzt lässt. Weder werden seine neue Kollegen und Arbeitsabläufe eingehender beschrieben, noch entwickelt sich die Aufklärung des Falls schlüssig. Cross‘ Kommentare und Gedanken zum Fall sind für einen hochdekorierten Psychologen doch etwas arg platt:
„Irgendetwas an diesen Entführungen war für mich nicht stimmig. Zu Beginn waren sie sehr sorgfältig und vorsichtig durchgeführt worden, dann wurden die Entführer plötzlich schlampig. Das Muster war unstet. Warum? Was hatte das zu bedeuten? Was hatte sich verändert? Wenn ich das herausfinden konnte, bestand für uns die Chance auf einen Durchbruch.“ (S. 106)
Und auch die familiäre Tragödie, dass Cross um seinen Sohn kämpfen muss, wird eher lapidar abgehandelt, so dass letztlich wenig Positives über Band 9 der Alex-Cross-Reihe zu sagen ist – außer, dass die 320 Seiten zum Glück schnell ausgelesen sind. Ich bin nur noch vage gespannt, ob das Niveau der Reihe in den nächsten Bänden wieder ansteigt …
 Leseprobe James Patterson - "Vor aller Augen"

Daniel Silva – (Gabriel Allon: 4) „Der Zeuge“

Montag, 3. Januar 2011

(Piper, 416 S., HC)
In einem unscheinbaren Gebäude in Wien residiert der ehemalige israelische Geheimdienstler Eli Lavon, wo er nun – unter der Obhut seines Mentors Ari Schamron - die Organisation für Ansprüche und Ermittlungen wegen Kriegsschäden leitet. Auf dem Weg nach draußen nimmt er gerade noch eine verdächtige Person vor dem Gebäude wahr, dann legt eine Detonation alles in Trümmern. Als der israelische Agent Gabriel Adlon davon in Venedig erfährt, wo er in einer Kirche ein Altarbild von Giovanni Bellini restauriert, reist er sofort nach Wien, um den im Koma liegenden Eli im Krankenhaus zu besuchen. Dort wird Gabriel von Max Klein angesprochen, der behauptet, schuld an dem Attentat zu sein. Er erzählt ihm seine Geschichte, wie die Juden aus Österreich vertrieben wurden, wie er selbst Auschwitz überlebt hat und nach Wien zurückkehren konnte.
In einem Café trifft er auf einen Mann namens Vogel, dessen Stimme Klein sofort als diejenige identifiziert, die ihm in Auschwitz befohlen hat, Geige zu spielen. Als Klein Lavon von dem Vorfall berichtet, verabreden sich die beiden Männer für den nächsten Tag, doch die Bombenexplosion verhindert das Treffen. Adlon erfährt von Klein noch einen weiteren Namen, dann wird auch Klein ermordet. Offensichtlich handelt es sich bei Ludwig Vogel um einen erfolgreichen österreichischen Geschäftsmann, der zudem einer der größten Geldgeber der Österreichischen Nationalpartei ist. Offensichtlich verbirgt sich hinter Vogel der Sturmbannführer Erich Radek, der für eine ungeheure Vertuschungsaktion verantwortlich gewesen ist. Bei seinen Recherchen, die Adlon immer tiefer in die Schrecken des Holocaust hineinziehen, stößt er auch auf einen Bericht seiner verstorbenen Mutter. Nun wird die Jagd auf Radek zu Adlons persönlicher Vendetta, die ihn nach Jerusalem, Rom und Argentinien führt …
Mit „Der Zeuge“ hat der ehemalige CNN-Auslandskorrespondent und erfolgreiche Thrillerautor Daniel Silva eine Trilogie beendet, die sich mit unbeantworteten Fragen des Holocaust auseinandersetzt. Der Kunstraub der Nazis bildete den Hintergrund für „Der Engländer“, die Rolle der Kirche im Holocaust für „Die Loge“. Auch „Der Zeuge“ basiert auf belegten Tatsachen und verknüpft die erschreckend effektive Judenvernichtung mit einer spannenden Spionage-Story. Zwar wechseln häufig die Orte und Personen des Geschehens, doch hat Silva das Thema so spannend aufbereitet, dass man die Jagd nach dem Kriegsverbrecher mit neugieriger Faszination bis zum Schluss atemlos verfolgt.

J.L. Carrell – „Die Shakespeare-Morde“

Sonntag, 2. Januar 2011

(List, 463 S., HC)
Kurz vor der Premiere ihrer „Hamlet“-Inszenierung am Londoner Globe Theatre bekommt die renommierte Shakespeare-Expertin Kate Shelton Besuch von ihrer ehemaligen Mentorin, der Harvard-Professorin Rosalind Howard. Obwohl sie es nie verwunden zu haben scheint, dass Kate ihre akademische Karriere gegen die Liebe zum Theater eintauschte, überreicht Ros ihr eine Schachtel mit den Worten: „Wenn du die Schachtel öffnest, musst du dem Weg folgen, den sie dir weist.“ Doch bevor Ros ihr zum später verabredeten Treffpunkt auf dem Parliament Hill mehr zu der geheimnisvollen Schachtel erzählen kann, bricht ein Feuer am Theater aus, in dem Ros an den Folgen einer tödlichen Kalium-Injektion in bester Shakespeare-Tradition zu Tode kommt.
Als Kate darüber rätselt, warum Ros ausgerechnet zu ihr mit der Kassette gekommen ist, in der sich eine Brosche befindet, die sich als beliebter Trauerschmuck des 19. Jahrhunderts entpuppt, fällt ihr nur ihre eigene Dissertation ein, die sie über die vielen Versuche geschrieben hat, kodiertes Geheimwissen aus Shakespeares Werken herauszulesen. Zusammen mit Sir Henry Lee, dem Grand Seigneur des britischen Theaters, und Ben Pearl, Rosalinds Neffen, macht sich Kate auf die Suche nach einem verschollenen Shakespeare-Stück, das in Zusammenhang mit Cervantes‘ berühmten „Don Quixote“ zu stehen scheint und hinter dem auch Rosalinds Mörder her ist, der seine Widersacher nach Shakespeares literarischen Werken umbringt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer ein Interesse daran haben kann, dass das verschollene Shakespeare-Stück unentdeckt bleibt.
Hier kommen die verschiedenen Theorien über Shakespeares Identität ins Spiel.
„Wer müsste überhaupt ein solches Geheimnis um seine Identität machen? Möglicherweise ein Adliger – das Theater wäre ein Fleck auf der Familienweste. Oder natürlich eine Frau, egal welchen Ranges. Dann gibt es angeblich noch die geheimen Botschaften in den Stücken – meistens ist von Freimaurern, Rosenkreuzern oder Jesuiten die Rede. Und die Behauptung, der Autor der Stücke – für gewöhnlich Francis Bacon – sei der Sohn der Königin. Wer an so was glaubt, hält die Maskerade für eine nötige Sicherheitsvorkehrung.“ (S. 270)
Die abenteuerliche, mit vielen Rätseln gespickte Spurensuche führt das Trio von London nach Boston, Arizona, ins spanische Valladolid und nach Tombstone, und je näher man der Auflösung des „Cardenio“ betitelten Stückes kommt, umso mehr Tote pflastern den Weg der detektivischen Shakespeare-Freunde.
Eins muss man Dr. phil. Jennifer Lee Carrell lassen. Die an der Harvard University in Englischer und Amerikanischer Literatur promovierte Shakespeare-Expertin weiß, wovon sie schreibt. Leider spickt sie ihre eigentlich interessante literarische Schnitzeljagd mit dermaßen viel Fachwissen, Shakespeare-Zitaten, dass der Leser spätestens nach 300 Seiten die Lust an dem intellektuell anspruchsvollen Dechiffrierungen verliert. Es werden so viele Verweise, Möglichkeiten, Lebensläufe, Theorien diskutiert, während die Protagonisten mit allerlei Hilfe und Fallstricken durch die Welt jettet, dass einfach der Faden der Geschichte und die Spannung verloren gehen. Dieses Manko wird durch die viel zu seltenen und undurchschaubaren Rückblicke in die Shakespeare-Zeit nicht gerade abgemildert. Somit dürfte „Die Shakespeare-Morde“ nur für außerordentlich interessierte Shakespeare-Anhänger durchweg unterhaltsam sein.

Richard Laymon – „Finster“

Mittwoch, 29. Dezember 2010

(Heyne, 543 S., Pb.)
Der 20-jährige Student Ed Logan ist am Boden zerstört, als seine Freundin Holly Johnson ihn wegen eines anderen Typen namens Jay verlässt, der „so außergewöhnlich und einfühlsam“ sein soll, wie Holly in ihrem Abschiedsbrief meinte. Er entschließt sich zu einem nächtlichen Spaziergang durch Willmington, der ihn zunächst zu Hollys Studentenwohnheim führt, wo er auf Eileen Danforth trifft, eine von Hollys besten Freundinnen. Da sie von Hollys Brief weiß, versucht sie, Ed Gesellschaft zu leisten und ihn etwas aufzumuntern, doch ihren Vorschlag, ihn zum zehn Kilometer entfernten Donut-Shop zu begleiten, lehnt er freundlich ab. Als er von der Division in die Franklin Street abbiegt, entdeckt er ein Mädchen, das vor ihm die gleiche Route einzuschlagen scheint. Ist Ed zunächst ohne Ziel losgelaufen, hat er nun zwei Aufgaben vor sich: Eileen Donuts mitzubringen und seine neue Gefährtin zu beschützen. Als sie in einem Haus verschwindet, beobachtet er sie noch kurz, bis das Licht gelöscht ist, dann setzt er seinen Weg fort und trifft Eileen bei Dandi Donuts, wo sie auf Ed gewartet hat und ihn zurück nach Hause fährt, wo Eileen den liebeskranken Ed verführt.
Doch Eds Gedanken hängen an dem geheimnisvollen Mädchen mit dem Pferdeschwanz. Als er sich in der nächsten Nacht den Wecker stellt, um zum Haus des blonden Mädchens zurückzukehren, entdeckt er eine weitere hübsche Frau in dem geheimnisvollen Haus und beobachtet sie gespannt.
„Nur ein Verrückter würde sich den Wecker stellen, um mitten in der Nacht aufzustehen und die Stadt nach einer völlig Fremden zu durchsuchen, der er in der Nacht zuvor eine Weile nachgeschlichen war. Und sich bei der Gelegenheit an ein Fenster pirschen und eine halbnackte Frau belauern. Unvermittelt war ich zu einem Spanner geworden.
Was würde als Nächstes geschehen?
Was als Nächstes geschehen sollte, dachte ich, dass ich nach Hause gehe. Ich sollte das Ganze abblasen. In meine Wohnung gehen und mich ins Bett legen. Morgen aufstehen und zur Uni gehen. Fleißig sein. Eine ernsthafte Beziehung mit Eileen eingehen. Mach dir nichts vor, sie ist wahrscheinlich in jeder Hinsicht besser, als Holly je war. Ich sah die vergangene Nacht mit Eileen vor mir. Die Überraschung, als ich feststellte, dass sie heimlich ihren BH ausgezogen hatte. Die Lust, als ich meine Hand in ihre Jeans schob und durch ihre feuchte Hitze glitt. Und wie es sich dann anfühlte, als sie sich nass und eng auf mich setzte, sich langsam aufspießte. Was bedeutet es im Vergleich dazu, einem unbekannten Mädchen hinterherzuschleichen? Wie kann eine Frau im Nachthemd, die man durch ein Fenster anglotzt, selbst wenn man eine ihrer Brüste sehen kann, eine größere Versuchung sein als Eileen und die Dinge, die ich mit ihr schon getan hatte?“ (S. 91)
Für Ed beginnt eine Nacht, die er so schnell nicht vergessen wird. Er lernt Menschenfresser und einen perversen Entführer kennen, macht die Bekanntschaft gleich von mehreren hübschen Frauen, muss sich den Annäherungsversuchen seines schwulen Kumpels Kirkus erwehren und schließlich Eileen aus den Fängen eines Entführers befreien …
„Night In Lonesome October“ ist im selben Jahr – 2001 - erschienen, in dem Richard Laymon gestorben ist, doch zählt dieses Spätwerk nicht zu seinen besten Romanen. Zwar hat der Autor mit dem Icherzähler Ed Logan wieder einen überzeugenden jugendlichen Protagonisten geschaffen, doch wirken die Ereignisse, in die der Junge reihenweise stolpert, auf Dauer doch etwas stark bei den Haaren herbeigezogen und die ständigen erotischen Intermezzi wie spätpubertierende Sexphantasien. Natürlich ist „Finster“ wieder in Laymons einfacher, doch plastischer Sprache geschrieben, unterhaltsam und auch spannend, aber eben nicht der große Horrorroman wie viele seiner anderen Veröffentlichungen.

Tom Piccirilli – „Der Geruch von Blut“

Montag, 20. Dezember 2010

(Heyne, 303 S., Pb.)
Anderthalb Stunden nördlich von Manhattan liegt Three Rivers, ein beschauliches Örtchen mit einer fünf Blocks langen Hauptstraße, Fernfahrerkneipen mit schlechtem Essen, ein paar Bars, einer verlassenen Futtermühle und einer geschlossenen Zuckerfabrik. Die „Attraktion“ besteht in dem St. Valarian’s Mädcheninternat, an dem der blinde Finn Literatur lehrt. Der Verlust seines Augenlichts hat irgendwie mit seiner verstorbenen Frau Danielle zu tun, doch wie sich die Tragödie damals zugetragen hat, kann der Leser aus den oft wirren Erinnerungen des ehemaligen Polizisten nur dunkel erahnen.
 Während sein damaliger Partner Ray wegen Verstrickungen mit der Mafia in den Knast wanderte, quittierte Finn den Dienst und fing als Lehrer in dem Mädcheninternat ein neues Leben an, im Schlepptau die drogensüchtige Krankenschwester Roz, die sich zunächst aufopferungsvoll um den nach einer Bombenexplosion verstümmelten Ray kümmerte, wegen ihrer Sucht aber ebenfalls eine neue Stelle suchen musste. Doch auch im kleinen Three Rivers lassen Finn die Geister der Vergangenheit keine Ruhe. Als er auf dem nahe gelegenen Friedhof den verschneiten und misshandelten Körper eines Mädchens, Harley Moon, findet, hat ihn die Vergangenheit endgültig eingeholt, zumal auch wenig später Roz spurlos verschwindet …
„Manchmal hat er das Gefühl, nie wieder irgendeinen Einfluss auf die Welt zu haben. Und manchmal fühlt es sich an, als müsse er nur den Kopf zur Seite legen und mit den Fingern schnipsen, und alles, was er sich erträumt, wird wahr. Kein guter Ort für solche Gedanken. Er merkt, dass er ins Wanken gerät, und lässt die Hand sinken (…) So sieht wahrscheinlich ein Nervenzusammenbruch aus. Leute, die durch die Fifth Avenue laufen und vor sich hin murmeln, ins Gespräch vertieft mit verschollenen Kindern, toten Eltern, Klassenlehrern, Ausbildern bei der Armee, all den Heiligen, Märtyrern und anderen imaginären Bekannten. Finn überlegt, wen oder was Harley Moon wohl repräsentiert, für welche Fehler sie steht. Sein erstes Mal, seine Highschool-Freundin, Danielle, Rays Gespielinnen, Howies Zorn, die Mädchen im Leichenschauhaus. Die Toten und die Vermissten, die aus seinem Unterbewusstsein aufsteigen und ihn auf seltsame Weise am Leben halten.“ (S. 164 f.)
Nach „Killzone“ und „Schmerz“ liegt mit „Der Geruch von Blut“ der dritte Titel des amerikanischen Autors Tom Piccirilli vor, der mit seiner eindringlichen Sprache einen in jeder Hinsicht gebrochenen Mann beschreibt, der einfach nicht zur Ruhe kommt. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau und dem Verlust seines Sehvermögens rauben ihm die Dämonen von damals, als Finn noch beruflich die Unschuldigen zu schützen versuchte, die letzten Nerven. Erst spät fügen sich für den Leser die Bruchstücke aus Träumen und Erinnerungen zu einem bedrohlichen Puzzle zusammen, das unweigerlich weitere Tote und Misshandelte zur Folge haben wird. Piccirilli zieht den Leser mit seiner poetischen Sprache schnell in den Bann und zeichnet auf spannende Weise das Psychogramm etlicher gescheiterter Lebensentwürfe.

Jeff Lindsay – „Des Todes dunkler Bruder“

Sonntag, 12. Dezember 2010

(Knaur, 351 S., Pb.)
Eigentlich arbeitet Dexter Morgan als Spezialist für Blutanalysen bei der Polizei von Miami, doch seine Passion gilt der Bestrafung von Serienkillern, die durch das Netz der polizeilichen Ermittlungen schlüpfen. Gerade hat sich Dexter eines Priesters angenommen, der nicht nur im St. Anthony’s Waisenhaus Kinder umgebracht hat, sondern offensichtlich zuvor schon in anderen Städten, da wird Miami von einer neuen Mordserie erschüttert.
Der Killer entzieht seinen Leichen das sämtliche Blut und zerschneidet sie mit chirurgischer Perfektion. Dexters Adoptivschwester Deborah, die ebenso wie ihr verstorbener Vater Harry und Dexter bei der Polizei arbeitet, sieht hier die Chance, von der Sitte weg zur Mordkommission befördert zu werden, braucht aber dafür Dexters außergewöhnliche Intuition. Diese führt zu der Vermutung, dass der Killer seine Opfer in einem gestohlenen Kühltransporter verarbeitet. Als Deb und Dexter die nächste kunstvoll verpackte und blutleere Leiche im Tor des heimischen Eishockeystadions finden, beschleicht Dexter das ungute Gefühl, dass der Täter sehr viel mit ihm selbst gemein hat. Detective LaGuerta kann zwar bald mit einer Verhaftung vor der Presse glänzen, doch Dexter weiß, dass die bizarre Mordserie noch längst nicht beendet ist …
Mit seinem Debütthriller „Darkly Dreaming Dexter“ ist dem amerikanischen Autor Jeff Lindsay im Jahre 2004 ein grandioser Wurf gelungen, der CBS Showtime zu einer brillanten Fernsehserie inspiriert hat, in der Michael C. Hall die perfekte Besetzung für den geheimnisvollen Blutanalyse-Spezialisten Dexter Morgan darstellt. Dass der Roman die Grundlage für eine über mehrere Staffeln erfolgreiche TV-Serie bieten kann, ist dabei nicht nur der charismatischen wie enigmatischen Hauptfigur zu verdanken, deren faszinierende und beunruhigende Vergangenheit erst allmählich und nur stückchenweise enthüllt wird. Auch Dexters Schwester Deborah und seine Kollegen bieten viel Raum, um in einer spannenden wie unterhaltsamen Thriller-Serie ausgefüllt zu werden. Lindsay hat sein Debüt dabei so spannend wie humorvoll geschrieben, dass Fortsetzungen zum Glück nicht lange auf sich warten ließen.

Jeff Lindsay – „Die schöne Kunst des Mordens“

Freitag, 3. Dezember 2010

(Knaur, 413 S., Pb.)
Dexter ist gerade von seinen Flitterwochen mit Rita aus Paris zurückgekehrt, da wird seine ganz spezielle Fähigkeit, Tatorte zu lesen, auch schon wieder vom Miami Police Department, wo er als Blutanalyst arbeitet, beansprucht. Zunächst wird er an einen Tatort gerufen, wo die unterhalb des Brustkorbs ausgeweideten Leichen eines blassen, übergewichtigen Paars in den Dreißigern am Strand wie ein Obstkorb inszeniert worden waren. Während Dexter und seine Schwester Deborah noch den Tatort inspizieren, kommt schon der nächste Mord rein, diesmal aus Fairchild Gardens, wo die kopflose Leiche eines Mannes wie ein Blumenstrauß – mir Gedärmen statt Blumen –sitzend an einem Baum lehnte.
Doch selbst mit diesem Fund ist der Arbeitstag für Dexter noch nicht zu Ende. Rita versucht sich gerade an französischer Küche, als er zum nächsten Tatort gerufen wird. Diesmal handelt es sich um einen Mann, dessen Brustkorb von den üblichen Inneren befreit und mit Eis und Bierflaschen gefüllt worden ist. Als Dexter und Deborah überlegen, für wen diese kunstvollen Morde inszeniert wurden, fällt Dexter die Tourismusbranche ein. Offensichtlich will jemand den Sonnenstaat Miami madig machen. Erste Anlaufstelle für die Ermittler ist also die Behörde für Fremdenverkehr, wo sich tatsächlich eine erste Spur auftut. Doch als Deborah und Dexter den Verdächtigen Alex Doncevic aufsuchen, wird Deborah niedergestochen. Doncevic wird zwar wenig später verhaftet, doch da es nicht seine Fingerabdrücke auf der Waffe sind, wird Doncevic wieder auf freien Fuß gesetzt. Dexter tut, was er tun muss und lässt seinen „Dunklen Passagier“ Gerechtigkeit walten, während Deborah im Krankenhaus nur langsam wieder zu Kräften kommt. Doch Dexter muss einsehen, dass er den falschen Mann erwischt hat. Nun macht nämlich Doncevic‘ Liebhaber und Compagnon Brandon Weiss Jagd auf Dexter und seine Liebsten …
Mit seinem ersten Dexter-Roman „Des Todes dunkler Bruder“ hat Jeff Lindsay nicht nur einen außergewöhnlichen Psychothriller vorgelegt, sondern gleich die Vorlage zu der erfolgreichen Fernsehserie „Dexter“, in der Dexter Morgan tagsüber als Blutanalyst für das Miami Police Department arbeitet und nachts die bösen Buben aus dem Verkehr zieht, die durch das Rechtssystem geschlüpft sind. Das ist nicht nur im Fernsehen höchst unterhaltsam, sondern lässt sich nun mittlerweile bereits zum vierten Mal auch wunderbar spannend mit viel schwarzem „Dexter“-Humor lesen. Im vierten Dexter-Roman ist besonders interessant, wie Dexter feststellt, dass Ritas Kinder Cody und Astor ebenfalls eine dunkle Seite in sich haben.
„Ich musterte die beiden, und es kam mir fast so vor, als wohnte ich einem religiösen Wunder bei. Sie wussten vom Schattenmann – ihrem Dunklen Passagier. Ebenso wie ich trugen sie in sich und waren so vertraut mit seiner Existenz, dass sie ihm einen Namen gegeben hatten. Es bestand nicht der geringste Zweifel – sie befanden sich bereits in derselben dunklen Welt, in der ich lebte. Es war ein tiefgreifender Moment der Verbundenheit, und ich wusste, dass ich das Richtige tat: Sie waren meine Kinder und die des Dunklen Passagiers – und die Vorstellung, dass wir dadurch stärker als durch Blutsbande miteinander verbunden waren, war nahezu überwältigend.“ (S. 52)
Darüber hinaus erfährt der Leser, wie Dexter durch seinen Vater Harry mit dem Dunklen Passagier vertraut gemacht worden ist und wie seine Schwester mit dem Wissen umgeht, dass sich Dexter durch seine Selbstjustiz-Aktionen strafbar macht. Alles in allem bietet der neue „Dexter“-Roman einmal tiefere Einblicke in die geheimnisvolle Seele von Dexter Morgan, dazu eine Menge Humor und ganz nebenbei auch eine spannende Kriminalgeschichte.